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Der Solidaritätszuschlag

Steuerberater online: Bleibt der Solidaritätszuschlag erhalten?

Jeder Einkommen-, Kapitalertrag- oder Körperschaftsteuerpflichtige in Deutschland zahlt zusätzlich zu der genannten Steuer den Solidaritätszuschlag, oft mit „Soli“ abgekürzt. Zurzeit wird über eine Beibehaltung bzw. Neugestaltung des Solidaritätszuschlages diskutiert.

Warum zahlen wir den Solidaritätszuschlag?

Der Zweck der Einnahmen aus dem Solidaritätszuschlag war ursprünglich die Finanzierung der Kosten der deutschen Einheit. Der Solidaritätszuschlag wurde 1991 als befristeter Zuschlag auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer erhoben und zwei Jahre später zunächst abgeschafft. 1995 wurde er wieder eingeführt, diesmal unbefristet. Unabhängig vom Solidaritätszuschlag beschlossen Bund und Länder im Jahr 1993, Ostdeutschland mit einem Solidarpakt direkt zu fördern. Der Solidarpakt II begann 2005 und endet 2019. Die Einnahmen aus dem Solidaritätszuschlag müssen nicht zweckgebunden verwendet werden.
Bemessung und Erhebung des Solidaritätszuschlages sind im Solidaritätszuschlaggesetz geregelt. Der Solidaritätszuschlag beträgt 5,5 Prozent der Bemessungsgrundlage. Im Gegensatz zur Kirchensteuer ist der Solidaritätszuschlag nicht von der Steuer absetzbar und stellt damit in voller Höhe eine Belastung dar.
Für Bruttoeinkommen bis etwa 1.444 Euro monatlich (bei Lohnsteuerklasse I) bzw. 2.726 Euro monatlich (bei Lohnsteuerklasse III) ist kein Solidaritätszuschlag zu zahlen. Kinderfreibeträge werden unabhängig davon, ob Kindergeld gezahlt wird, in die Bemessungsgrundlage für den Solidaritätszuschlag einbezogen.

Was geschieht bisher mit den Einnahmen aus dem Solidaritätszuschlag?

Das Aufkommen aus dem Solidaritätszuschlag steht dem Bund zu. Dieser muss die Einnahmen allerdings nicht zweckgebunden verwenden, d.h. das Geld muss nicht zwangsläufig für die neuen Bundesländer ausgegeben werden.
Das jährliche Aufkommen aus dem Solidaritätszuschlag liegt derzeit bei etwa 14 Milliarden Euro. Auf diese Einnahmen sei der Staatshaushalt auf jeden Fall auch nach dem Auslaufen des Solidarpakts angewiesen, sagte Bundeskanzlerin Merkel. Die Kanzlerin begründete ihre Haltung damit, dass die Ausgaben für die deutsche Einheit nicht mit dem Ende des Solidarpakts aufhörten. Zudem seien nicht nur Aufgaben in den neuen Ländern zu erfüllen, sondern auch in den strukturschwachen Regionen der alten Länder.

Was sind die möglichen Alternativen nach 2019?

Im Jahr 2019 läuft das bisherige Modell des Solidaritätszuschlages aus. Bund und Länder sind sich aber einig, dass der Solidaritätszuschlag weiter bestehen soll, um nicht auf die Einnahmen verzichten zu müssen. Unklar ist allerdings, in welcher Form er nach 2019 bestehen soll. Am 11. Dezember beraten Bundeskanzlerin Merkel und die Regierungschefs der Länder gemeinsam über die Neuordnung der Finanzbeziehungen.
Ein Vorschlag zur Weiterführung des Solidaritätszuschlages ist dessen Integration in die Einkommensteuer. Bisher berechnet das Finanzamt zunächst die Belastung mit Einkommensteuer eines Bürgers, und schlägt dann auf diesen Betrag noch einmal 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf. Soll das bisherige Aufkommen aus dem Solidaritätszuschlag nun zusätzlich über die Einkommensteuer eingenommen werden, müssten die heutigen Steuersätze angehoben werden. Durch diese Reform würden allerdings viele Steuerzahler schlechter gestellt werden als zuvor: Eltern und Alleinerziehenden wird heute zusätzlich zum Kindergeld beim Solidaritätszuschlag noch einmal ein Kinderfreibetrag gewährt, der mit der Reform entfallen würde. Weitere Belastungen würden für Unternehmer, die ihre Gewerbesteuerzahlung auf die Einkommensteuer anrechnen können, entstehen.
Eine Integration des Solidaritätszuschlages in die Einkommensteuer würde zudem Kommunen mit schrumpfender Bevölkerung und sinkender Steuerkraft benachteiligen. Ein anderer Vorschlag sieht daher vor, einen Teil der Einnahmen aus dem Solidaritätszuschlag nach 2019 in einen „Demografie-Strukturfonds“ fließen zu lassen. Dieser Fonds solle gezielt jene Kommunen unterstützen, die vom Rückgang der Bevölkerungszahl besonders betroffen sind.
Ein anderer Kompromissvorschlag sieht vor, dass der bisherige Solidaritätszuschlag zu einem Teil in die Einkommenssteuer und zu einem anderen Teil in den Länderfinanzausgleich eingegliedert werden soll.

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Betriebliche Weihnachtsfeiern

Steuerberater online: Was Sie bei der Steuer beachten sollten

In den nächsten Wochen werden in vielen Betrieben Weihnachtsfeiern veranstaltet. Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer dabei im Hinblick auf die Einkommensteuer beachten müssen, verrät Ihnen dieser Artikel.

Wann hat eine Weihnachtsfeier keine steuerlichen Auswirkungen?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, dass der Arbeitgeber eine genaue Teilnehmerliste für die Feier führt, um später nachweisen zu können, welcher Mitarbeiter daran teilgenommen hat. Der steuerlich anerkannte Höchstbetrag liegt bei 110 Euro einschließlich Umsatzsteuer pro teilnehmendem Mitarbeiter und Betriebsveranstaltung. Hier geht es um einen Durchschnittsbetrag und nicht um die tatsächlich verursachten Kosten pro Mitarbeiter. Bei den 110 Euro handelt es sich um eine Freigrenze, d.h. wird sie auch nur um einen Cent überschritten, sind die gesamten Kosten der Weihnachtsfeier steuerpflichtig. Erlaubt sind maximal zwei Betriebsveranstaltungen pro Jahr. Dabei wird ein mehrtägiger Ausflug als eine einzelne Veranstaltung gewertet.
Folgende Ausgaben fallen unter die 110 Euro-Freigrenze:

• Speisen, Getränke, Tabakwaren und Süßigkeiten,
• An- und Abreise,
• Übernachtung,
• Eintrittskarten,
• der äußere Rahmen der Veranstaltung, etwa ein gesonderter Raum, eine Band etc.,
Sachgeschenke bis zu einem Gesamtwert von 40 Euro einschließlich Umsatzsteuer, wenn sie während der Veranstaltung übergeben oder verlost werden; teurere Geschenke sind grundsätzlich steuerpflichtiger Arbeitslohn und können vom Arbeitgeber mit 25 % pauschal versteuert werden. Bargeld ist immer voll steuerpflichtig.

Was geschieht bei Überschreiten der Freigrenze?

Wird bei der Betriebsfeier die Freigrenze von 110 Euro pro Mitarbeiter überschritten, werden die anteiligen Kosten der Betriebsveranstaltung zum Arbeitslohn des Mitarbeiters hinzugerechnet und normal versteuert. Außerdem muss er für diesen Betrag Sozialabgaben bezahlen.
Um die Steuerbelastung durch die Weihnachtsfeier überschaubar zu halten, existieren zwei Möglichkeiten: Die Pauschalversteuerung gilt nach der Feier und hängt vom Einverständnis des Finanzamts ab. Eine sicherere Möglichkeit ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter; diese muss allerdings vor der Feier umgesetzt werden.
Im Falle einer Pauschalversteuerung kann der Arbeitgeber im Anschluss an die Feier beim Finanzamt beantragen, dass er den Kostenanteil pauschal mit 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer versteuert und für den Mitarbeiter übernimmt. Dadurch erübrigt sich die individuelle Besteuerung des geldwerten Vorteils beim Mitarbeiter. Allerdings besteht kein Anspruch des Arbeitsgebers auf diese Pauschalversteuerung. Die Finanzämter geben solchen Anträgen aber meist statt, wenn es sich um Ausnahmen und um kleine Summen handelt. Achtung: Die Pauschalversteuerung ist in der Regel nur dann möglich, wenn die Weihnachtsfeier allen Mitarbeitern, auch Aushilfskräften, offensteht.
Bei einer schriftlichen Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter verpflichtet sich der Mitarbeiter schriftlich jene Kosten, die über 110 Euro hinausgehen, aus eigener Tasche zu zahlen. Die Kosten, die auf einen Angehörigen anteilig entfallen, werden dem jeweiligen Mitarbeiter zugerechnet und bei dessen 110 Euro-Freigrenze mit berücksichtigt.

Teilnahme von Angehörigen bei der Weihnachtsfeier

Sind neben dem Arbeitnehmer auch dessen Angehörige wie z.B. Ehegatten zur Weihnachtsfeier eingeladen, werden die Kosten für deren Bewirtung dem jeweiligen Mitarbeiter zugerechnet und bei dessen 110 Euro-Freigrenze mit berücksichtigt. Die 110 Euro-Freigrenze gilt also pro Mitarbeiter, nicht pro teilnehmender Person.

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Weihnachtsgeschenke an Mitarbeiter und Geschäftspartner

Steuerberater online: Wie Weihnachtsgeschenke an Mitarbeiter und Geschäftspartner steuerlich behandelt werden

Viele Chefs machen ihren Mitarbeitern und Geschäftspartnern Geschenke zu Weihnachten. Was Sie in diesem Fall als Beschenkter oder Schenkender im Hinblick auf das Finanzamt beachten müssen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Steuerliche Auswirkungen für den Beschenkten

Während das Weihnachtsgeld der Lohnsteuer unterliegt, ist dies bei Weihnachtsgeschenken an die Belegschaft nicht immer der Fall. Grundsätzlich muss zwar der Empfänger eines Geschenks dessen Wert als Einnahme verbuchen und versteuern. Allerdings existieren Freigrenzen für Geschenke von Arbeitgebern an Mitarbeiter, unterhalb derer die Geschenke steuerfrei bleiben. Wenn der Wert des Geschenks diese Grenze übersteigt, muss der Mitarbeiter das Geschenk, genau wie seinen Arbeitslohn, mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern.
Weihnachtsgeschenke werden als „Sachbezüge“ bezeichnet, die grundsätzlich zum steuerpflichtigen Arbeitslohn zählen. Sie bleiben allerdings steuerfrei, solange die monatliche Sachbezugsfreigrenze von 44 Euro nicht überschritten wird. Diese Freigrenze bezieht sich aber nur auf Sachzuwendungen, nicht auf Bargeld; Geldzuwendungen gehören daher stets zum Arbeitslohn. Gutscheine gelten dagegen ebenfalls bis zur Freigrenze von 44 Euro im Monat als steuer- und abgabenfreier Sachbezug.
Die Freigrenze von 44 Euro lässt sich für das Weihnachtsgeschenk aber nur anwenden, sofern dieser Betrag nicht bereits für andere Sachzuwendungen im Dezember ausgeschöpft ist.

Pauschalbesteuerung von Zuwendungen

Der Schenkende darf für den Beschenkten die Steuer übernehmen. Dazu führt er 30 Prozent des Werts zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer ans Finanzamt ab. Die Pauschalsteuer lässt sich ebenfalls als Betriebsausgabe abziehen.
Wer sich für die Pauschalsteuer entscheidet, muss im betreffenden Jahr die Steuer für sämtliche Geschenke an alle Geschäftsfreunde übernehmen. Außerdem muss er die Empfänger schriftlich darüber informieren, dass sie sich nicht mehr um die Versteuerung des Geschenkes kümmern müssen. Rechtlich reicht hier eine formlose Mitteilung an den Empfänger, dass die Steuer entrichtet wurde. Der Wert des Geschenks bzw. die Höhe der gezahlten Steuern müssen selbstverständlich nicht aufgeführt werden.
Die Entscheidung zur Anwendung der Pauschalbesteuerung ist spätestens in der letzten Lohnsteueranmeldung des Wirtschaftsjahres der Geschenkübergabe zu treffen. Die Höhe der Pauschalsteuer wird am Wert des Geschenks einschließlich Umsatzsteuer bemessen.

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Spenden von der Einkommensteuer absetzen

Steuerberater online: Wann Sie Spenden steuerlich absetzen können

Insbesondere in der Vorweihnachtszeit werden viele Spenden gesammelt. Unter welchen Voraussetzungen Sie Spenden von der Einkommensteuer absetzen können, erfahren Sie in diesem Artikel.

Unter welchen Voraussetzungen sind Spenden steuerlich absetzbar?

Eigentlich wären Spenden als private Einkommensverwendung steuerlich nicht abzugsfähig. Aufgrund gesetzlicher Anordnung sind jedoch Spenden unter bestimmten Voraussetzungen in begrenzter Höhe als Betriebsausgaben (wenn sie aus dem Betriebsvermögen geleistet werden) oder als Sonderausgaben (wenn sie aus dem Privatvermögen geleistet werden) abzugsfähig.
Generell sind alle Spenden absetzbar, die an mildtätige, gemeinnützige oder kirchliche Organisationen gehen. Was steuerrechtlich darunter zu verstehen ist, definiert die Abgabenordnung: Danach verfolgt eine Körperschaft gemeinnützige Zwecke, wenn ihre Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern. Mildtätige Zwecke werden verfolgt, wenn die Tätigkeit einer Körperschaft darauf gerichtet ist, Personen selbstlos zu unterstützen, die infolge ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustands auf die Hilfe anderer angewiesen sind oder deren Einkommen den vierfachen Regelsatz der Sozialhilfe nicht überschreitet. Eine Körperschaft verfolgt kirchliche Zwecke, wenn ihre Tätigkeit darauf gerichtet ist, eine Religionsgemeinschaft, die Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, selbstlos zu fördern.

Grundsätzlich können auch Mitgliedsbeiträge und Aufnahmegebühren gemeinnütziger Organisationen wie z.B. der Freiwilligen Feuerwehr als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Fördert der Verein oder die Organisation allerdings freizeitnahe gemeinnützige Zwecke, ist der Mitgliedsbeitrag nicht absetzbar. Dazu gehören beispielsweise Sport- und Gesangsvereine, Kleingärtner- und Karnevalsvereine.
Auch Sachspenden können bei der Einkommensteuer geltend gemacht werden. Bei Sachspenden müssen die genaue Bezeichnung des überlassenen Objektes sowie dessen Wert aufgeführt werden. Für Unternehmen sind Sachspenden daher in der Regel einfacher als für Privatpersonen, da der Restwert der gespendeten Waren in den Büchern steht.
Auch Spenden an gemeinnützige Einrichtungen, die im EU-/EWR-Ausland ihren Sitz haben, können in Deutschland von der Steuer abgesetzt werden.

In welcher Höhe sind Spenden steuerlich absetzbar?

Spenden dürfen in Höhe von bis zu 20 Prozent der persönlichen Einkünfte als Sonderausgaben von der Steuer abgesetzt werden. Zuwendungen, die diesen Höchstbetrag übersteigen, können in das Folgejahr vorgetragen und dann von der Steuerschuld abgezogen werden. Dieser Spendenvortrag gilt zeitlich unbegrenzt.

Welche Nachweise sind für den Steuerabzug erforderlich?

Damit das Finanzamt Ihre Spende als Sonderausgabe bzw. als Betriebsausgabe akzeptiert, müssen Sie diese durch eine Zuwendungsbestätigung, also eine Spendenbescheinigung nach amtlich vorgeschriebenem Muster, belegen. Diese Zuwendungsbestätigung enthält unter anderem die Art und die Höhe der Spende und bestätigt, dass die Zuwendung nur für einen bestimmten, steuerbegünstigten Zweck verwendet wird. Diese müssen Sie dem Finanzamt im Original zukommen lassen. In der Regel bekommen Sie von den gemeinnützigen Organisationen zu Beginn des Folgejahres automatisch eine Zuwendungsbestätigung für das vergangene Jahr zugeschickt.
Bis zu einer Spendensumme von 200 Euro pro Einzelspende genügt den Finanzbehörden ein sogenannter „vereinfachter Spendennachweis”: Hierbei ist anstelle einer Spendenbescheinigung nach amtlichem Muster ein Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung der Bank (z.B. eine Kopie des Kontoauszugs) sowie zusätzlich ein Beleg des Empfängers mit bestimmten Pflichtangaben ausreichend. Ein vorgedruckter Überweisungsträger beinhaltet in der Regel diese geforderten Pflichtangaben. Viele Spendenempfänger stellen auch bei Spendensummen unter 200 Euro auf Wunsch eine Spendenbescheinigung aus.

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Besteuerung von sonstigen Bezügen

Steuerberater online: Wie sonstige Bezüge steuerlich behandelt werden

Viele Arbeitnehmer erhalten zusätzlich zu ihrem regulären Arbeitsentgelt Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Wie diese Sonderzahlungen steuerlich behandelt werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was sind „sonstige Bezüge“?

Laufender Arbeitslohn ist der Arbeitslohn, der dem Arbeitnehmer regelmäßig fortlaufend zufließt. Sonstige Bezüge sind Vergütungen, die nicht zum laufenden Arbeitslohn gehören. Sie werden als einmalige Zahlung aus besonderem Anlass oder zu einem bestimmten Zweck (z.B. Umzugskostenübernahme) gewährt. Sie werden bei der Einkommensteuer anders behandelt als der reguläre Arbeitslohn. Beispiele für sonstige Bezüge finden sich in den Einkommensteuerrichtlinien:

– dreizehnte und vierzehnte Monatsgehälter,
– einmalige Abfindungen und Entschädigungen,
– Gratifikationen und Tantiemen, die nicht fortlaufend gezahlt werden,
– Jubiläumszuwendungen,
– Urlaubsgelder, die nicht fortlaufend gezahlt werden, und Entschädigungen zur Abgeltung nicht genommenen Urlaubs,
– Weihnachtszuwendungen.

Wie werden sonstige Bezüge einkommensteuerlich behandelt?

Der Arbeitgeber hat die Lohnsteuer für sonstige Bezüge im Zeitpunkt des Zuflusses beim Mitarbeiter einzubehalten, genau wie beim laufenden Arbeitslohn auch. Die Lohnsteuer für laufende Bezüge kann aus der Monatslohnsteuertabelle abgelesen werden. Da diese Tabelle unterstellt, dass das ganze Jahr über in gleicher Höhe Arbeitslohn bezogen wird, würde sich im Falle der sonstigen Bezüge, die ja gerade nur zu besonderen Anlässen gewährt werden, eine zu hohe Lohnsteuer ergeben.
Ausgangspunkt für die Berechnung der Lohnsteuer ist deshalb der voraussichtliche Jahresarbeitslohn ohne den sonstigen Bezug. Hierfür werden der laufende Arbeitslohn, der im Kalenderjahr bereits gezahlt wurde, sowie bisher gewährte sonstige Bezüge zu dem laufenden Arbeitslohn addiert, der sich voraussichtlich für den Rest des Kalenderjahres ergibt. Geldwerte Vorteile und Freibeträge sind mit ihrem Jahresbetrag zu berücksichtigen. Anschließend ist die Jahreslohnsteuer für den voraussichtlichen Jahresarbeitslohn unter Einbeziehung des sonstigen Bezuges zu ermitteln. Der Differenzbetrag zwischen den Jahreslohnsteuerbeträgen ist die Lohnsteuer, die vom sonstigen Bezug einzubehalten ist.

Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer bei sonstigen Bezügen

Die so berechnete Lohnsteuer ist die Bemessungsgrundlage für den Solidaritätszuschlag und eventuell die Kirchensteuer. Der Solidaritätszuschlag wird durch Anwendung des Prozentsatzes von 5,5 % auf die Lohnsteuer für den sonstigen Bezug berechnet. Die Kirchensteuer wird ebenfalls durch Anwendung des Kirchensteuersatzes auf die Lohnsteuer für den sonstigen Bezug berechnet.

Sozialabgaben bei sonstigen Bezügen

Einmalige Zuwendungen unterliegen ebenso wie das laufende Gehalt der Sozialversicherung, das heißt, Sie müssen dafür Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung zahlen. Die Höhe der Versicherungsbeiträge ist allerdings beschränkt durch die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze. Nur für den Teil des Einkommens, der unter der Beitragsbemessungsgrenze liegt, sind Beiträge zur Sozialversicherung zu zahlen. Der Teil darüber ist beitragsfrei.
Sonstige Bezüge werden dem Kalendermonat zugeordnet, in dem sie dem Arbeitnehmer zufließen, und werden zusammen mit dem laufenden Arbeitsentgelt dieses Monats abgerechnet. Übersteigt die Summe aus laufendem Arbeitsentgelt und sonstigem Bezug die monatliche Beitragsbemessungsgrenze, besteht für sonstige Bezüge Beitragspflicht, soweit die anteilige Beitragsbemessungsgrenze durch das bisher vom Arbeitgeber gezahlte beitragspflichtige Arbeitsentgelt des laufenden Kalenderjahres noch nicht ausgeschöpft wurde.

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Umzugskosten steuerlich absetzen

Steuerberater online: Wann Sie Umzugskosten steuerlich geltend machen können

Ein Umzug kostet häufig viel Geld. Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie jedoch Ihre Ausgaben im Rahmen der Einkommensteuererklärung als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehen und so das zu versteuernde Einkommen mindern.

In welchen Fällen können Umzugskosten steuerlich geltend gemacht werden?

Allgemein werden jene Umzüge steuerlich anerkannt, die aus beruflichen Gründen erfolgen. Private Gründe dürfen dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen. Arbeitnehmer können in diesen Fällen ihre Ausgaben für den Umzug als Werbungskosten, Selbstständige als Betriebsausgaben geltend machen.
Für beruflich veranlasste Umzüge werden beispielsweise folgende Gründe anerkannt:

• Der Berufstätige nimmt an einem anderen Ort erstmals eine berufliche Tätigkeit auf, beispielsweise nach Examen oder Ausbildung.
• Der Berufstätige wechselt den Arbeitgeber.
• Der Arbeitnehmer verkürzt seine Fahrtzeit vom Wohnort zur Arbeitsstätte und zurück um mindestens eine Stunde pro Tag.
• Der Berufstätige begründet oder beendet durch den Umzug eine beruflich veranlasste doppelte Haushaltsführung.
• Der Arbeitgeber versetzt einen Mitarbeiter aus dienstlichen Gründen.
• Der Arbeitgeber verlangt vom Arbeitnehmer, an den Arbeitsort umzuziehen.

Falls der Arbeitgeber die Umzugskosten ersetzt, melden Sie in der Steuererklärung steuerfreie Einnahmen anstelle eines Werbungskostenabzugs an.

Steuerliche Anerkennung privater Umzüge

Auch bei Umzügen aus rein privaten Gründen können Sie das Finanzamt an den Kosten beteiligen. In diesem Fall werden diese jedoch nicht als Werbungskosten, sondern im Rahmen der haushaltsnahen Dienstleistungen berücksichtigt. Darunter fallen auch die Kosten für ein Umzugsunternehmen und Schönheitsreparaturen wie Malen und Streichen. Hierbei werden pro Jahr 20 Prozent der Ausgaben, maximal jedoch 4.000 Euro, anerkannt.
Erfordern gesundheitliche Gründe, ein Unfall oder eine Behinderung den Umzug, sind die Kosten als außergewöhnliche Belastungen absetzbar, soweit sie den zumutbaren Eigenanteil übersteigen. In diesem Fall müssen Sie dem Finanzamt allerdings ein ärztliches Attest vorlegen.

Welche Ausgaben sind steuerlich absetzbar?

Wenn Sie aus beruflichen Gründen den Wohnort wechseln, können Sie folgende Kosten als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehen, sofern sie schriftlich belegt werden:

• Kosten für den Transport des Umzugsguts,
• Reisekosten für Wohnungsbesichtigungen und Umzugsvorbereitung,
• doppelte Miete oder Mietausfall für bis zu drei (in Einzelfällen auch sechs) Monate,
• Maklergebühren (nur bei Mietwohnungen),
• Anschaffungskosten für einen Herd und für Öfen,
• Unterrichtskosten und Nachhilfe für Kinder.

Weitere Kosten werden grundsätzlich über die Pauschale für sonstige Umzugskosten abgegolten. Unter die Umzugspauschale fallen:

• Kosten für Schönheitsreparaturen in der alten Wohnung, sofern Sie vertraglich zur Übernahme verpflichtet sind,
• Trinkgelder für die Möbelpacker und Helfer,
• Fachgerechtes Anbringen von Lampen, Vorhängen, Gardinen, Aufbau von Einbauküche und anderen elektrischen Geräten,
• Gebühren für die Ummeldung,
• Anzeigen für die Wohnungssuche.

Bei Unsicherheit über die Abziehbarkeit von Umzugskosten im Rahmen der Einkommensteuererklärung kann eine Beratung durch einen Steuerberater günstig sein.

In welcher Höhe sind die Ausgaben steuerlich absetzbar?

Die Pauschale für sonstige Umzugskosten wird regelmäßig angepasst und beträgt zurzeit für Ledige 715 Euro und für Verheiratete 1.429 Euro. Ab dem 1. März 2015 erhöht sich die Pauschale auf 730 bzw. 1.460 Euro. Für jede weitere Person, die im Haushalt lebt, gibt es dann zusätzlich 322 Euro (zuvor 315 Euro).
Die Umzugspauschale ist nicht an einen Zeitraum geknüpft, d.h. Sie haben bei mehreren Umzügen innerhalb eines Jahres jedes Mal Anspruch auf die Pauschale.

Welche Nachweise müssen erfolgen?

Wenn Ihre tatsächlich entstandenen sonstigen Umzugskosten höher sind als die Pauschale, dürfen Sie die tatsächlichen Ausgaben geltend machen. Dazu müssen die Umzugskosten mit Belegen nachgewiesen werden. Für die Inanspruchnahme der Pauschale müssen Sie keine Belege sammeln.
Ziehen Sie erst nach Antritt der Arbeitsstelle oder Unterzeichnung des Arbeitsvertrages um. Wenn Sie voreilig umziehen, ohne sicher eine neue Stelle zu haben, lehnt das Finanzamt den Steuerabzug für Ihre Umzugskosten ab.

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Ausgaben für Brillen als Werbungskosten absetzen

Steuerberater online: Wann Sie Ihre Sehhilfe als Werbungskosten geltend machen können

Grundsätzlich sind Brillen und andere Hilfsmittel nur als „außergewöhnliche Ausgaben“ von der Einkommensteuer absetzbar, soweit ein zumutbarer Eigenanteil überschritten wird. Unter gewissen Umständen können Steuerpflichtige jedoch Ihre Sehhilfen gänzlich als Werbungskosten von der Einkommensteuer absetzen.

Was sind Werbungskosten?

Gemäß dem Einkommensteuergesetz werden Werbungskosten definiert als Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Darunter fallen beispielsweise Kosten für den Weg zur Arbeitsstätte, Büromaterialien oder Fachliteratur. Werbungskosten dürfen von den Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit abgezogen werden, sodass nur die verbleibenden Einkünfte versteuert werden müssen.
Jeder Steuerpflichtige erhält den sogenannten „Arbeitnehmer-Pauschbetrag“ in Höhe von 1.000 Euro jährlich. Dieser wird vom Finanzamt automatisch von den Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit abgezogen, sofern Sie keine höheren Werbungskosten geltend machen.

Steuerliche Absetzbarkeit gewöhnlicher Sehhilfen

Entstandene Kosten für eine Brille oder Kontaktlinsen, die lediglich eine Sehschwäche ausgleichen, können nicht als Werbungskosten abgezogen werden. Dies gilt selbst dann, wenn es sich um eine „Computerbrille“ handelt, die nur am Arbeitsplatz getragen und sogar dort aufbewahrt wird.
Allerdings gilt auch für steuerlich nichtabzugsfähige Sehhilfen, dass zumindest Reparaturkosten als Werbungskosten steuerlich absetzbar sind, wenn die Sehhilfe während der Ausübung der beruflichen Tätigkeit beschädigt wurde.

Steuerliche Absetzbarkeit spezieller Arbeitsbrillen

Anders verhält es sich mit Brillen, die speziell für eine bestimmte berufliche Tätigkeit vorgesehen sind, wie beispielsweise die Schutzbrille eines Chemikers. Solche Brillen sind auch dann absetzbar, wenn sie neben der Schutzfunktion auch eine Sehschwäche korrigieren, sofern der Schutzfunktion eine größere Bedeutung als der Sehschwächenkorrektur zukommt.

Steuerliche Absetzbarkeit bei berufsbedingter Fehlsichtigkeit

In einem besonderen Fall können auch gewöhnliche Brillen als Werbungskosten abgezogen werden, nämlich dann, wenn es sich um eine typische Berufskrankheit handelt oder der Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Beruf eindeutig feststeht. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn die Sehschwäche durch einen Arbeitsunfall hervorgerufen wurde.
Bei berufsbedingter Fehlsichtigkeit sind die Aufwendungen für eine Sehhilfe ab dem ersten Euro abzugsfähig; eine zumutbare Eigenbelastung existiert in solch einem Fall nicht. Selbstverständlich sind aber auch hier nur die Kosten abziehbar, die der Steuerpflichtige nicht von einer Versicherung erstattet bekommt.

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Buchhaltung leicht gemacht: Das elektronische Fahrtenbuch

Was Sie für die Anerkennung durch das Finanzamt beachten müssen

Fahrtenbücher dienen dem Finanzamt als Nachweis über den Umfang der beruflichen, betrieblichen und privaten Fahrten und müssen daher lückenlos und detailliert geführt werden. Dies kann entweder handschriftlich oder elektronisch geschehen. Im Falle der elektronischen Führung müssen einige Regeln beachtet werden.

Welche Angaben muss ein elektronisches Fahrtenbuch enthalten?

Grundsätzlich müssen handschriftlich und elektronisch geführte Fahrtenbücher die gleichen Informationen enthalten. Zu den Pflichtangaben gehören bei beruflichen Fahrten das Datum, das konkrete Ziel der Fahrt unter genauer Angabe der Adresse mit Straße und Hausnummer und die besuchte Person, Behörde oder Filiale, außerdem der Kilometerstand zu Beginn und am Ende der Fahrt sowie die möglichst exakte Bezeichnung des jeweiligen Ortes. Für Privatfahrten genügen die Kilometerangaben. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte müssen gesondert gekennzeichnet werden.

In welcher Form muss ein elektronisches Fahrtenbuch geführt werden?

Für ein elektronisch geführtes Fahrtenbuch ist entscheidend, dass es in einer geschlossenen Form geführt wird, das bedeutet, nachträgliche Veränderungen müssen nach der Funktionsweise des verwendeten Programms technisch ausgeschlossen sein oder zumindest in ihrer Reichweite in der Datei selbst dokumentiert und offengelegt werden.
Daher ist laut Urteil des Bundesfinanzhofes die Verwendung beispielsweise einer Excel-Tabelle nicht zulässig, da hier eine nachträgliche Veränderung technisch nicht ausgeschlossen werden kann. Änderungen gegenüber den ursprünglichen Aufzeichnungen müssen unbedingt erkennbar sein. Bei Ausdrucken von elektronischen Aufzeichnungen müssen nachträgliche Veränderungen der aufgezeichneten Angaben grundsätzlich technisch ausgeschlossen sein oder aber im System dokumentiert werden.

Bei einem elektronischen Fahrtenbuch sind die GPS-Ermittlung der Fahrtstrecken und die dadurch entstehende Abweichung vom Kilometerstand des Fahrzeugs grundsätzlich unbedenklich. Es empfiehlt sich allerdings, den tatsächlichen Tachostand im Halbjahres- oder Jahresabstand zu dokumentieren.
Einzelne Anbieter von Fahrtenbuch-Software werben damit, dass ihr Programm vom Finanzamt akzeptiert wird. Allerdings entsprechen solche Werbeaussagen nicht der Wahrheit, denn Finanzämter stellen für elektronische Fahrtenbücher keine Zertifikate aus. Es bleibt Pflicht des Steuerzahlers zu prüfen, ob das betreffende Programm die Voraussetzungen erfüllt, wenn ein elektronisches Fahrtenbuch für einen privat genutzten Dienstwagen genutzt wird.
Um sicherzustellen, dass das Finanzamt das elektronische Fahrtenbuch anerkennt, können Sie einen Monat lang das elektronische Fahrtenbuch führen und dann dem Finanzamt zur Prüfung vorlegen.

Aufbewahrungsfristen für elektronische Fahrtenbücher

Die Finanzverwaltung hat ein Zugriffsrecht auf elektronisch gespeicherte Daten. Demnach muss während der Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren eine ständige Verfügbarkeit und unverzügliche Lesbarkeit der Daten gewährleistet werden. Bei einem Wechsel des Betriebssystems ist darauf zu achten, dass auch weiterhin Einsicht in die elektronischen Fahrtenbücher möglich sein muss.
Bei eventuellen Änderungen müssen die Änderungshistorie mit Änderungsdatum und ursprünglichem Inhalt ersichtlich sein. Auch die Änderungshistorie darf nicht nachträglich veränderbar sein.

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Werbungskostenabzug bei der Vermietung an Angehörige

Steuerberater online: Was Sie bei der Vermietung an Angehörige beachten sollten

Häufig wird Wohneigentum nicht an Fremde, sondern an Verwandte vermietet. In diesen Fällen müssen Sie als Eigentümer einige Regeln beachten, damit Sie die Kosten für die Immobilie beim Finanzamt steuerlich geltend machen können.

Werbungskosten bei Mieteinkünften

Als Vermieter unterliegen Ihre Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung der Einkommensteuer. Die Ihnen entstehenden Aufwendungen für den Erhalt der Immobilie können als Werbungskosten abgezogen werden, sie mindern also die zu versteuernden Einkünfte aus der Vermietung. Durch eine vergünstigte Vermietung an Angehörige werden die zu versteuernden Einkünfte weiter verringert. Allerdings darf in diesen Fällen die Miete nicht zu niedrig angesetzt werden, weil es sonst zu einer Kürzung der Werbungskosten kommen kann.

Wer zählt als „Angehöriger“?

Laut der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs gelten als nahe Angehörige Ehegatten, Eltern, Elternteile mit deren neuen Lebensgefährten, Kinder, Geschwister, Großeltern und Enkelkinder.

Verbilligte Vermietung an Angehörige

Ob ein Vermieter trotz einer unter dem marktüblichen Preis liegenden Miete den vollen Werbungskostenabzug geltend machen kann, hängt von der vereinbarten Miethöhe ab. Beträgt die vereinbarte Miete bei einer auf Dauer angelegten Wohnungsvermietung mindestens 66 % der ortsüblichen Miete, werden alle Werbungskosten in vollem Umfang anerkannt. Dies gilt auch dann, wenn dies dauerhaft zu Verlusten führt. Maßgebend ist hierbei die Warmmiete.
Beträgt das Entgelt für die Überlassung des Wohneigentums hingegen weniger als 66 % der ortsüblichen Miete, ist die Nutzungsüberlassung in einen entgeltlichen und einen unentgeltlichen Teil aufzuteilen. Als Folge sind dann die Aufwendungen nur anteilig als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung bei der Einkommensteuererklärung abziehbar. Beträgt die Miete zum Beispiel nur 40 Prozent der ortsüblichen Miete, können auch nur 40 Prozent der Aufwendungen abgezogen werden.
Werden ein Stellplatz, eine Einbauküche oder sonstiges Mobiliar zusammen mit der Wohnung vermietet und hierfür zusätzlich Miete vereinbart, gilt hier ebenfalls die 66 %-Grenze.

Voraussetzungen für die steuerliche Anerkennung

Um zu ermitteln, ob die Vermietung an Angehörige steuerlich anzuerkennen ist, stellen die Finanzämter einen sogenannten Fremdvergleich an; d.h. es wird geprüft, ob der vereinbarte Mietvertrag dem entspricht, was auch zwischen fremden Dritten üblich wäre. Daher sollte bei der Vermietung an Angehörige ein schriftlicher Mietvertrag aufgesetzt werden, wie er auch bei fremden Mietern geschlossen würde. So muss der Vertrag Angaben zur Lage und zur Größe der Wohnung, zum Mietbeginn, zur Höhe des Mietzinses und Vereinbarungen über die Zahlung der Nebenkosten enthalten. Der Mieter muss die vermieteten Räume zu Wohnzwecken nutzen.
Die Miete sollte nicht in bar bezahlt werden, sondern durch Dauerauftrag oder Überweisung, wie es zwischen fremden Dritten üblich ist. Außerdem sollte die Miete zu einem festen Termin fällig sein, der ebenfalls vertraglich festgelegt werden sollte. Wie bei fremden Mietern muss auch eine Abrechnung der Nebenkosten erfolgen. Bei höheren Nachzahlungen muss die Nebenkostenpauschale erhöht werden.
Die Vermietung an einen Angehörigen sollte grundsätzlich unbefristet erfolgen. Wird eine Wohnung zeitlich befristet an einen Angehörigen vermietet, müssen Sie dem Finanzamt einen Totalüberschuss für den befristeten Vermietungszeitraum vorrechnen können; auch dann, wenn die Miete mindestens 66 % des marktüblichen Preises beträgt. Ergibt die Totalüberschussprognose für diesen Zeitraum einen Verlust, unterstellt das Finanzamt, dass keine Gewinnerzielungsabsicht vorliegt und der Mietvertrag wird steuerrechtlich nicht anerkannt.
Kann das Mietverhältnis dem Fremdvergleich nicht standhalten, führt dies regelmäßig dazu, dass Werbungskosten, die mit den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung im Zusammenhang stehen, nicht anerkannt werden. Bei Unsicherheit ist eine Beratung durch einen Steuerberater günstig.

Was ist der „marktübliche Preis“?

Entscheidend ist für die steuerliche Anerkennung die Feststellung der ortsüblichen Miete. Wie hoch die ortsübliche Vergleichsmiete liegt, können Sie entweder dem Mietspiegel Ihrer Stadt entnehmen oder bei Ihrer Stadtverwaltung oder einem örtlichen Haus- und Grundeigentümerverein erfragen. Hierbei ist regelmäßig zu prüfen, ob die vereinbarte Miete noch innerhalb der Grenzwerte liegt, und die Miete gegebenenfalls zu erhöhen.
Zur Ermittlung des üblichen monatlichen Zuschlags für die Vermietung von Mobiliar werden die Anschaffungskosten der Möbel auf deren Nutzungsdauer verteilt und eine Eigenkapitalverzinsung von 4 % pro Jahr hinzugerechnet.

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Das elektronische Grundbuch

Steuerberater online: Ab dem 1. Oktober 2014 sind Grundbucheinsichten auch online möglich

Seit diesem Monat besteht die Möglichkeit, auch online Einsicht in das Grundbuch zu nehmen. Welche Vorteile dieses Verfahren bereithält, welche Voraussetzungen gelten und wieviel die Auskünfte kosten, erfahren Sie hier.

Wozu dient das Grundbuch?

Das Grundbuch ist ein bei den Amtsgerichten geführtes Register über die Grundstücke eines Gemeindebezirkes. Es dient dazu, die wesentlichen das Grundstück betreffenden Rechtsverhältnisse festzuhalten. Das Grundbuch besteht aus Grundbuchblättern, auf denen alle Grundstücke verzeichnet sind, die einer Person im betreffenden Gemeindebezirk gehören.
Bereits seit 2007 wird das Grundbuch in Nordrhein-Westfalen elektronisch geführt: Statt in gedruckter Form wird es auf Computerbildschirmen sichtbar gemacht und bei Bedarf ausgedruckt. Die Einsicht in das Grundbuch ist nur Personen gestattet, die ein berechtigtes Interesse nachweisen können.

Was ändert sich durch die Online-Grundbucheinsicht?

Der Bund hat ein Gesetz für die Umstellung auf ein Datenbankgrundbuch auf den Weg gebracht, um neue Darstellungsformen des Grundbuchinhalts sowie neue Recherche- und Auskunftsmöglichkeiten zuzulassen. Durch dieses sogenannte Registerverfahrenbeschleunigungsgesetz wurden die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, das Grundbuch rechtswirksam auf elektronischen Datenträgern zu führen. Gleichzeitig wurde die Einrichtung eines sogenannten Automatisierten Abrufverfahrens zugelassen, das es den Teilnehmern ermöglicht, bei Vorliegen der rechtlichen und technischen Voraussetzungen online Einsicht in das Grundbuch nehmen zu können. Den Landesregierungen, die für die technische Umsetzung verantwortlich sind, obliegt es, Zeitpunkt und Umfang der Einführung des elektronischen Grundbuchs selbst zu bestimmen.
Besonders zugelassene Benutzer können über das Internet auf das elektronisch geführte Grundbuch zuzugreifen. Damit werden auch außerhalb der Öffnungszeiten der Grundbuchämter folgende Aktionen ermöglicht:

• die Einsicht in ein bestimmtes Grundbuchblatt,
• den Ausdruck des Grundbuchinhalts,
• die Suche nach einem unbekannten Grundbuchblatt anhand von Angaben über Flurstück oder Eigentümer,
• die Feststellung, zu welchem Zeitpunkt die letzte Grundbucheintragung erfolgt ist,
• die Feststellung, ob auf ein konkretes Grundbuchblatt bezogen beim Grundbuchamt noch nicht vollzogene Eintragungsanträge vorliegen.

Das Land Nordrhein-Westfalen bietet außerdem eine Luftbildaufnahme des gesuchten Gebäudes oder Grundstücks an.

Zulassungsvoraussetzungen für die Online-Einsicht

Die Zulassung zum automatisierten Grundbuchabrufverfahren bedarf einer Genehmigung, die (für das Land Nordrhein-Westfalen) nur auf Antrag vom Amtsgericht Hagen erteilt wird.
Die Genehmigung für die Online-Einsicht ins Grundbuch kann einem Teilnehmer dann erteilt werden, wenn seine Einsichtnahme unter Berücksichtigung der Interessen der Betroffenen wegen der Vielzahl der Übermittlungen oder wegen ihrer besonderen Eilbedürftigkeit angemessen ist. Bei der Online-Einsichtnahme ist zu unterscheiden zwischen dem uneingeschränkten und dem eingeschränkten automatisierten Grundbuchabrufverfahren. Der Unterschied wirkt sich nicht auf den zur Verfügung stehenden Umfang des automatisierten Abrufverfahrens aus, sondern auf die Darlegung des für die Einsicht notwendigen berechtigten Interesses. Denn anders als die Teilnehmer des uneingeschränkten Grundbuchabrufverfahrens haben die Teilnehmer des eingeschränkten Abrufverfahrens immer vor der jeweiligen Recherche den Grund des berechtigten Interesses darzulegen.
Uneingeschränkten Zugang zum automatisierten Grundbuchabrufverfahren können Behörden, Gerichte, Notare und öffentlich bestellte Vermessungsingenieure erhalten. Auch für Maßnahmen der Zwangsvollstreckung, bei dinglicher Berechtigung am Grundstück sowie beim Vorliegen einer Vollmacht des Eigentümers sowie für Versorgungsunternehmen ist die Nutzung des Abrufverfahrens zulässig. Die aus diesen Gründen Nutzungsberechtigten, wie z. B. Banken oder Rechtsanwälte, können eingeschränkten Zugang zum Grundbuchabrufverfahren erhalten.

Kosten der elektronischen Auskünfte

Ebenso wie die persönliche Einsichtnahme beim Grundbuchamt ist die Online-Einsicht gebührenpflichtig. Im eingeschränkten Abrufverfahren fällt eine einmalige Einrichtungsgebühr von 50 Euro an. Mit der Gebühr für die Genehmigung in einem Land sind auch weitere Genehmigungen in anderen Ländern abgegolten. Sowohl für das eingeschränkte als auch für das uneingeschränkte Abrufverfahren fällt für jeden Abruf eines Grundbuchblattes eine Gebühr von acht Euro an.

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