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Krankheitskosten steuerlich absetzen

Steuerberater online: Wann Sie Kosten für medizinische Behandlungen von der Einkommensteuer absetzen können

Grundsätzlich muss jeder Steuerpflichtige seine Krankheits- und Pflegekosten selbst tragen. Wird jedoch ein zumutbarer Eigenanteil überschritten, senken Ausgaben über dem Grenzbetrag als sogenannte „außergewöhnliche Ausgaben“ die Steuerlast.

Was sind „außergewöhnliche Belastungen“?

Krankheitskosten sind Kosten, die zum Zweck der Heilung oder Linderung einer Krankheit aufgewendet werden. Alles, was darunter fällt, kann als außergewöhnliche Belastung verbucht werden, beispielsweise:

– Arztkosten
– Rezeptgebühren
– Hilfsmittel wie Brillen, Hörgeräte, Rollstühle etc.
– Fahrtkosten zu Behandlungen
– Impfungen und Massagen, wenn diese ärztlich verordnet wurden.

Das Finanzamt berücksichtigt jedoch nur solche Kosten, die über eine zumutbare Belastung hinausgehen. Diese Grenze hängt von Ihrem Einkommen, Ihrem Familienstand und Ihrer Kinderzahl ab.

Wie hoch ist meine individuelle zumutbare Eigenbelastung?

Zwischen einem und sieben Prozent Ihrer gesamten Einnahmen – neben Gehalt auch Miet– oder Zinseinnahmen – gelten als zumutbare Krankheitsausgaben. Welcher Prozentsatz in Ihrem Fall vom Finanzamt angewandt wird, können Sie der folgenden Tabelle entnehmen:

Unter welchen Bedingungen können außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden?

Für die steuerliche Absetzbarkeit von Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastung ist es erforderlich, dass die Behandlung oder das Medikament ärztlich verordnet wurde. Dies gilt auch für nicht verschreibungspflichtige Medikamente: Frei verkäufliche Medikamente sind nur dann abziehbar, wenn aus einem ärztlichen Attest hervorgeht, dass die Einnahme medizinisch notwendig ist. Das Finanzamt erkennt keine Kosten zur Medikamentenbeschaffung an, wenn der Arzt diese nicht mittels Rezept angeordnet hat. Dies gilt ebenfalls bei alternativen Behandlungsmethoden.
Wenn Sie es versäumt haben, bei Ihrer Krankenversicherung die Erstattung zu beantragen, dann müssen Sie die Kosten komplett selbst tragen. Krankheitskosten können als außergewöhnliche Belastungen nur dann geltend gemacht werden, wenn dem auch entsprechende Aufwendungen gegenüberstehen. Deshalb können Sie nichts absetzen, was Ihre Krankenkasse übernommen hätte, wenn Sie es eingefordert hätten.
Kosten für vorbeugende Maßnahmen können nicht abgesetzt werden. Auch Behandlungen, die lediglich aus kosmetischen Erwägungen heraus vorgenommen werden, sind keine steuerlich relevanten Ausgaben.

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Hinzuverdienstgrenzen für Rentner

Steuerberater online: Was Rentner beim Hinzuverdienst beachten sollten

Eine steigende Anzahl von Rentnern in Deutschland übt neben dem Rentenbezug eine Nebentätigkeit aus. Bevor Sie als Rentner jedoch einen Nebenjob annehmen, sollten Sie sich über die Verdienstgrenzen und die steuerlichen Konsequenzen informieren. Die Verdienstgrenzen für Rentner hängen davon ab, ob es sich um einen „Vollrentner“ oder einen „Frührentner“ handelt.

Hinzuverdienst bei Vollrentnern

Als „Vollrentner“ werden Arbeitnehmer bezeichnet, die erst nach Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters in Rente gehen. Dieses liegt zurzeit bei 65 Jahren und zwei Monaten und wird seit 2012 schrittweise auf 67 Jahre erhöht.
Für Vollrentner gilt, dass sie neben ihrer Rente so viel verdienen dürfen, wie sie möchten. Die Altersrente wird dennoch voll ausgezahlt. Die Nebenbeschäftigung muss auch nicht dem Rentenversicherungsträger gemeldet werden.
Allerdings muss alles, was zusätzlich zur Rente verdient wird, sowie die Altersrente selbst in der Regel versteuert werden. Einnahmen bis zu 450 Euro zählen als geringfügige Beschäftigung („Minijob“) und werden pauschal mit zwei Prozent versteuert
Vollrentner, die nach der Regelaltersgrenze noch arbeiten, sind von den Beiträgen zur Arbeitslosen- und zur Rentenversicherung befreit, allerdings nicht von der Kranken- und Pflegeversicherung.

Hinzuverdienst bei Frührentnern

Sogenannte „Frührentner“ sind jene Rentner, die vor Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze eine gekürzte Vollrente beziehen. Für sie gelten strengere Verdienstgrenzen als für Vollrentner.
Wer vor Erreichen der Altersgrenze in Rente geht, darf monatlich nicht mehr als 450 Euro brutto nebenbei verdienen. Jeder Euro darüber wirkt sich rentenschädlich aus, das heißt, die Vollrente wird dann nur noch als Teilrente ausgezahlt. Je nach Höhe des Hinzuverdienstes wird die Rente um ein Drittel, um die Hälfte oder um zwei Drittel gekürzt. Für die Hinzuverdienstgrenzen bei der Altersrente ist der Bruttoverdienst der letzten drei Jahre maßgeblich. Zweimal im Jahr darf die Hinzuverdienstgrenze überschritten werden, maximal bis zu jeweils 900 Euro. Damit können Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld abgedeckt werden. Wer diese Grenze einhält, muss keine Rentenkürzung in Kauf nehmen.
Sind Sie Frührentner, müssen Sie Ihre Rentenversicherung informieren, dass Sie einen Nebenverdienst haben und wie viel Sie dabei verdienen. Die Rentenversicherung berechnet dann die entsprechende Kürzung. Sind Sie unsicher, ob und wie viel Sie neben Ihrer Rente verdienen dürfen, ohne eine Rentenkürzung in Kauf zu nehmen, können Sie sich bei der Deutschen Rentenversicherung informieren.
Bei den Sozialabgaben gilt, dass bei Rentnern unter dem gesetzlichen Eintrittsalter grundsätzlich alle Sozialabgaben paritätisch abgeführt werden müssen, d.h. wie bei jedem anderen Arbeitnehmer zur Hälfte vom Arbeitgeber, zur Hälfte vom Arbeitnehmer.

Hinzuverdienst bei Erwerbsminderung

Auch Frührentner, die aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf aufgeben mussten und eine Erwerbsminderungsrente bekommen, dürfen einer Nebentätigkeit nachgehen. Bei voller Erwerbsminderung darf der Zuverdienst allerdings auch nicht über 450 Euro liegen. Auch in diesem Fall ist zweimal im Jahr ein Verdienst von bis zu 900 Euro möglich, ohne dass es zu einer Rentenkürzung kommt. Übersteigt der Verdienst 450 Euro, besteht je nach Höhe des Verdienstes nur noch Anspruch auf eine gekürzte Rente, oder es wird sogar überhaupt keine Rente gezahlt.
Bei teilweiser Erwerbsminderung sind die Verdienstgrenzen individuell und richten sich nach dem Einkommen der letzten drei Jahre vor der Rente. Sie werden im Rentenbescheid ausgewiesen. Anders als bei der vollen Erwerbsminderungsrente werden hierbei nicht nur Arbeitsentgelt und Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit, sondern auch Sozialleistungen, wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, berücksichtigt. Wird die individuelle Höchstgrenze überschritten, kann die Rente bis auf ein Viertel des Vollbetrags gekürzt werden. Im äußersten Fall wird sie komplett gestrichen, denn dann beweist der Rentner, dass er doch noch voll erwerbsfähig ist.

Hinzuverdienst bei Hinterbliebenenrente

Bei Witwen- und Witwerrenten sowie bei Waisenrenten, die nach der Volljährigkeit bezogen werden, werden nicht nur Einnahmen aus Erwerbstätigkeit, sondern auch sogenanntes Erwerbsersatzeinkommen wie Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder Unfallversicherung, Arbeitslosengeld usw. berücksichtigt. Dabei ermittelt die Rentenversicherung aus dem Bruttoeinkommen durch Abzug von Pauschalwerten, die sich nach der Art des Einkommens richten, ein Nettoeinkommen. Bis zu einem Freibetrag, der zurzeit in den alten Bundesländern bei 755,30 Euro (für Waisen 503,54 Euro) und in den neuen Bundesländern bei 696,70 Euro (für Waisen 464,46 Euro) liegt, erfolgt keine Anrechnung des Einkommens auf die Rente. Übersteigt das Nettoeinkommen den Freibetrag, werden 40 Prozent des übersteigenden Betrages auf die Rente angerechnet.

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Nebenjobs während des Studiums

Steuerberater online: Was Studenten mit Nebenjob beachten sollten

Viele Studenten arbeiten neben ihrem Studium. Was sie dabei im Hinblick auf Steuern und Sozialabgaben beachten müssen, erläutert dieser Artikel. Diese Regelungen gelten allerdings nur für Personen mit unbeschränkter Steuerpflicht in Deutschland. In Fällen mit spezifischen Besonderheiten, wie ausländische Studenten, ausländisches Einkommen oder dergleichen, ist eine Beratung durch einen Steuerberater günstig.

Der Grundfreibetrag

Wie für jede unbeschränkt steuerpflichtige Person gilt auch für Studenten der sogenannte „Grundfreibetrag“ bei der Einkommensteuer: Im Veranlagungszeitraum 2013 muss ein Student erst ab einem zu versteuerndem Einkommen von 8.130 Euro Steuern zahlen. Ab 2014 beträgt die Grenze 8.354 Euro (für Verheiratete 16.708 Euro). Ein Minijob wird in der Regel aber nicht zu diesem Betrag hinzugerechnet.

Geringfügige Beschäftigung

Liegen die Voraussetzungen für eine geringfügige Beschäftigung – der sogenannte 450 Euro-Job oder Minijob – vor, gelten für Studenten keine Besonderheiten. Die geringfügig entlohnte Beschäftigung ist versicherungsfrei in der Kranken- und Arbeitslosenversicherung und somit auch nicht versicherungspflichtig in der Pflegeversicherung. Nach dem 1. Januar 2013 aufgenommene Beschäftigungsverhältnisse sind in der Rentenversicherung versicherungspflichtig.
Einmalzahlungen (beispielsweise Weihnachts- oder Urlaubsgeld) müssen dabei auf die einzelnen Monate aufgeteilt werden.

Werkstudententätigkeit

Als Werkstudenten gelten Studierende, die ordentlich an einer Fachschule oder Hochschule immatrikuliert sind und daneben einer Beschäftigung mit einem regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelt von mehr als 450 Euro nachgehen.
Der Werkstudent ist in seiner Beschäftigung versicherungsfrei in der Kranken- und Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung. Lediglich in der Rentenversicherung sind Werkstudenten beitragspflichtig. Um diesen Status zu erhalten, müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Der Studierende muss an einer Hochschule, Fachschule oder Akademie eingeschrieben sein und
2. das Studium darf noch nicht beendet sein, d.h. der Studierende hat noch keinen Abschluss und
3. der Studierende muss zu den „ordentlich Studierenden“ zu zählen sein.

Als ordentlich Studierender gilt jemand, der seine Zeit und Arbeitskraft überwiegend für das Studium aufwendet, d.h. die Beschäftigung darf gegenüber dem Studium nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die Höhe des erzielten Entgelts spielt hierbei keine Rolle, allein die wöchentliche Arbeitszeit ist ausschlaggebend.

Als ordentlich Studierender gilt, wer

– während der Vorlesungszeit nicht mehr als zwanzig Stunden in der Woche arbeitet. In der vorlesungsfreien Zeit kann die Beschäftigung ohne versicherungsrechtliche Folgen auf mehr als zwanzig Stunden wöchentlich erhöht werden.

– mehr als zwanzig Stunden wöchentlich arbeitet, dies jedoch überwiegend in den Abend- oder Nachtstunden oder am Wochenende.

– mehr als zwanzig Stunden wöchentlich arbeitet, wenn die Beschäftigung von vornherein auf maximal zwei Monate befristet ist.

Übt ein Student im Laufe eines Jahres mehrmals eine befristete Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als zwanzig Stunden aus, wird geprüft, ob der Student noch als ordentlich Studierender angesehen werden kann. Dies ist dann der Fall, wenn der Student im Laufe eines Jahres nicht mehr als 26 Wochen beschäftigt ist.

Befristete Beschäftigung

Bei einer befristeten Vollzeitbeschäftigung (beispielsweise dem Ferienjob in den Semesterferien) gilt: Die Tätigkeit muss einer zeitlichen Begrenzung unterworfen sein und darf fünfzig Arbeitstage beziehungsweise zwei Monate nicht überschreiten. In diesem Fall braucht der Arbeitgeber keine Sozialversicherungsabgaben für den Angestellten zu zahlen. Der Studierende ist in diesem Fall dennoch voll lohnsteuerpflichtig. Liegt sein zu versteuerndes Einkommen im Kalenderjahr unter 8.354 Euro (bei Verheirateten 16.708 Euro), kann der Studierende jedoch die gezahlte Lohnsteuer im Rahmen der Einkommensteuererklärung zurückerhalten.

Nebenjob und BAföG-Bezug

Das Einkommen aus einem Nebenjob wird grundsätzlich auf den BAföG-Bedarf angerechnet. Jedoch bleibt ein Freibetrag in Höhe von 4.880 Euro pro Jahr anrechnungsfrei. Dies entspricht einem durchschnittlichen Monatsverdienst von 406 Euro. Den Freibetrag übersteigende Einkünfte werden vom BAföG-Bedarf abgezogen.

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Steuererklärung für Rentner

Steuerberater online: Wann Rentner eine Steuererklärung abgeben müssen

Auch Rentner können einkommensteuerpflichtig sein. Wann ein Rentner eine Steuererklärung abgeben muss und welche Besonderheiten gegenüber anderen Steuerpflichtigen in diesem Fall zu beachten sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Wieso müssen einige Rentner eine Steuererklärung abgeben?

Seit Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes am 1. Januar 2005 werden immer mehr Rentner aufgefordert, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Zudem müssen gesetzliche und private Versicherer seit 2009 melden, wie viel Rente von 2005 bis 2009 jedem einzelnen Rentner ausgezahlt wurde.
Das Alterseinkünftegesetz sieht die schrittweise Einführung einer sogenannten „nachgelagerten Besteuerung“ vor. Das bedeutet, dass die Aufwendungen für die Altersvorsorge während der Erwerbsjahre zunehmend steuerfrei werden. Dafür werden aber später während des Rentenbezuges die Renteneinkünfte besteuert. In der Regel ist die nachgelagerte Besteuerung der Rente von Vorteil, denn die Aufwendungen für die Altersvorsorge verringern die Steuerbelastung während der Erwerbsjahre. Beim Bezug der Altersrente sind die Einnahmen üblicherweise geringer als während des Erwerbslebens und damit auch der Steueranteil auf die Rente.
Die Rentenbesteuerung betrifft übrigens neben den Altersrenten auch die Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und die Hinterbliebenenrenten.

Wann müssen Rentner eine Steuererklärung abgeben?

Eine Steuererklärung abgeben müssen etwa Rentner, deren Einkünfte im Jahr 2014 über dem Grundfreibetrag von 8.354 Euro (Ehepaare: 16.708 Euro) plus diverser Pauschalabzüge liegen.
Eine Erklärungspflicht trifft auch Ehepaare, bei denen einer von beiden noch berufstätig ist. Auch Ruheständler, die Zusatzeinkünfte wie Mieten, Kapitalerträge oder Betriebsrenten kassieren, müssen eine Steuererklärung abgeben.
Die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung bedeutet noch nicht, dass auch tatsächlich Einkommensteuer zu zahlen ist! Einkommensteuer müssen Rentner nur dann zahlen, wenn sie mit ihrem zu versteuernden Einkommen über dem Grundfreibetrag in Höhe von 8.354 Euro für Alleinstehende bzw. 16.708 Euro für Ehepaare liegen. Unterhalb dieser Beträge fällt keine Steuer an.

Wie werden steuerpflichtige Renteneinkünfte ermittelt?

Für Rentner ist bei der Erstellung der Steuererklärung vor allem die Anlage R wichtig, denn hier wird die steuerrechtlich relevante Rente eingetragen. Um nicht alle Bescheinigungen der Rentenversicherung zusammentragen zu müssen, können Sie bei der Deutschen Rentenversicherung kostenlos eine Bescheinigung über die gezahlte Rente erhalten. Deren Zahlen können Sie dann in Ihre Steuererklärung übernehmen. Wie bei allen Steuerzahlern kommen zur Einkommensteuer noch 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer hinzu.
Das Finanzamt berücksichtigt automatisch eine Werbungskostenpauschale von 102 Euro jährlich. Bei Nachweis akzeptiert das Finanzamt auch weitere Werbungskosten, wie beispielsweise Steuerberatungskosten, Rechtsberatungs- und Prozesskosten zur Klärung von Ansprüchen oder Kontoführungsgebühren, die auf Rentenüberweisungen entfallen.
Rentner mit anderen Einkünften als Rentenbezügen, zum Beispiel Miet- oder Zinseinkünfte, die das 64. Lebensjahr bereits vollendet haben, erhalten automatisch einen Altersentlastungsbetrag. Dieser beträgt je nach Alter gestaffelt bis zu 1.900 Euro. Steuerliche Vorteile werden auch Rentnern gewährt, die im Heim untergebracht oder behindert sind oder eine Haushaltshilfe haben. Von der Krankenkasse nicht erstattete Arzneimittel werden ebenfalls steuerlich anerkannt, ebenso wie Heilmittel, Hilfsmittel (Hörgerät, Prothesen) sowie Krankenhaus- und Kuraufenthalte.

Was geschieht bei einer Nichtabgabe der Steuererklärung?

Die reguläre Abgabefrist für die Steuererklärung des Vorjahres ist grundsätzlich der 31. Mai des laufenden Jahres. Eine Einkommensteuererklärung kann aber auch bis zu sieben Jahre später rückwirkend für frühere Jahre vom Finanzamt eingefordert werden.
Sofern trotz Pflicht zur Abgabe keine Steuererklärung eingereicht wird, tritt eine Verjährung grundsätzlich erst nach sieben Jahren ab dem Veranlagungsjahr ein. Eine Nichtabgabe kann den Tatbestand der Steuerhinterziehung erfüllen. In diesem Fall tritt eine Verjährung sogar erst viel später ein. Bei einer Steuernachzahlung für frühere Jahre werden noch Nachzahlungszinsen von 6 % p. a. festgesetzt. Sind Sie nicht sicher, ob für Sie eine Pflicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung besteht, ist eine Beratung durch einen Steuerberater günstig.
Sollten Sie eine Aufforderung zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung von Ihrem Finanzamt erhalten, führt das zu einer Abgabepflicht. Bei Nichtabgabe kann das Finanzamt die Besteuerungsgrundlagen schätzen. Diese Schätzung führt in der Regel zu einer höheren Steuer als der eigentlich festzusetzenden.

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Erteilung, Änderung und Aufteilung von Freistellungsaufträgen

Steuerberater online: Was Sie bei der Aufteilung Ihres Freistellungsauftrages beachten sollten

Jedem Sparer in Deutschland steht nach Erteilung eines Freistellungsauftrages der sogenannte Sparerpauschbetrag zu. Wie dieser funktioniert und was Sie beachten müssen, wenn Sie Kunde bei verschiedenen Kreditinstituten sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist ein Freistellungsauftrag?

Einkünfte aus Kapitalerträgen sind grundsätzlich steuerpflichtig und werden im Allgemeinen abgeltend besteuert, d.h. mit 25 % Abgeltungsteuer besteuert. Das Einkommensteuergesetz sieht jedoch einen Freibetrag für alle Steuerpflichtigen vor, den sogenannten Sparerpauschbetrag, der allerdings nicht automatisch von den Kapitaleinkünften abgezogen wird. Um den Freibetrag in Anspruch nehmen zu können, muss der Steuerpflichtige seiner Bank einen sogenannten Freistellungsauftrag erteilen. Der Freistellungsauftrag für Kapitalerträge stellt die Zinsen, die sich für eine Geldanlage ansammeln, bis zu einem bestimmten jährlichen Betrag steuerfrei. Dem Freistellungsauftrag liegt der Sparerpauschbetrag zugrunde. Er beträgt für Ledige 801 Euro, für gemeinsam Veranlagte 1.602 Euro jährlich. Liegen die vereinnahmten Kapitalerträge über dem freigestellten Betrag, führt die Bank die fällige Abgeltungsteuer automatisch ans Finanzamt ab. Für die Konten von Minderjährigen können Eltern jeweils einen gesonderten Freistellungsauftrag bis zur gesetzlichen Höchstgrenze von 801 Euro stellen.
Der Freistellungsauftrag gilt nicht für Kapitalerträge, die zu Betriebseinnahmen oder zu Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung gehören, ebenso nicht für Treuhandkonten.
Wer keinen Freistellungsauftrag abgibt, muss auf alle Zinsen Abgeltungsteuer zahlen. Hinzu kommen noch der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 % sowie gegebenenfalls die Kirchensteuer.

Wie erteile oder ändere ich einen Freistellungsauftrag?

In der Regel werden Sie bereits bei der Vertragsunterzeichnung von Ihrer Bank auf die Möglichkeit des Freistellungsauftrages hingewiesen. Die Erteilung oder Änderung des Freistellungsauftrages ist bei vielen Instituten auch online möglich. Sie benötigen dafür nur Zugang zum Online-Banking und Ihre Steueridentifikations-Nummer. Diese ist nötig, damit das Bundeszentralamt für Steuern elektronisch prüfen kann, ob die Summe der gestellten Freistellungsaufträge die gesetzliche Grenze überschreitet. Ist dies der Fall, kommt es zu Nachfragen seitens der Behörde. Dazu reicht es schon, wenn die Summe der gestellten Freistellungsaufträge über der zulässigen Grenze liegt; es ist nicht nötig, mehr steuerfreie Zinserträge ausgezahlt zu bekommen, als laut Freibetrag zulässig wäre.
Gebühren darf eine Bank für die Erteilung oder Änderung eines Freistellungsauftrages übrigens nicht verlangen: Der Bundesgerichtshof entschied im Jahr 2000, dass die Vorlage der Freistellungsaufträge an das Finanzamt keine Dienstleistung des Kreditinstituts gegenüber dem Kapitalanleger sei.
Der Freistellungsauftrag gilt stets ab dem 1.1. des Jahres, in dem er eingereicht wird, und zwar für das ganze Kalenderjahr. Ein bestehender Auftrag kann nur geändert oder gelöscht werden, indem ein neuer Freistellungsauftrag erteilt wird. Ändern Sie den Freistellungsauftrag, muss der neue Freistellungsauftrag mindestens über die Höhe des aktuell ausgeschöpften Freistellungsbetrages lauten. Wird die Bankverbindung aufgelöst, muss ein separater Auftrag zur Löschung des bestehenden Freistellungsauftrages gestellt werden, damit kein ungenutzter Freibetrag bestehen bleibt.
Haben Sie es versäumt, rechtzeitig den Freistellungsauftrag zu stellen und wurde unnötigerweise Abgeltungsteuer abgeführt, so haben Sie die Möglichkeit, im Rahmen der Einkommensteuererklärung durch die Anlage „Einkünfte aus Kapitalvermögen“ die Abgeltungsteuer zurückzubekommen.

Wie kann ich einen Freistellungsauftrag auf mehrere Kreditinstitute aufteilen?

Pro Bank genügt ein Freistellungsauftrag für jeweils alle Konten und Depots. Häufig unterhalten Steuerpflichtige aber Konten und Depots bei unterschiedlichen Banken. Der Sparerpauschbetrag gilt jedoch nur einmal für alle Kapitalerträge, die der Steuerpflichtige im Jahr erhält. Daher muss der Sparerpauschbetrag so auf die einzelnen Banken aufgeteilt werden, dass die Summe aller Teilbeträge nicht über dem maximal zulässigen Freibetrag liegt. Dazu darf der Steuerpflichtige beliebig viele Freistellungsaufträge erteilen, diese dürfen in der Summe aber nicht den maximalen Freibetrag (801 bzw. 1.602 Euro) überschreiten.
Für die Aufteilung der Freistellungsaufträge gilt die Regel, dass diese entsprechend der anfallenden Zinsen erfolgen sollte. So sollte das Konto, das für den Großteil der Zinserträge verantwortlich ist, auch den größten Anteil am Freibetrag zugeordnet bekommen. Sind Sie bezüglich der optimalen Aufteilung des Sparerpauschbetrages unsicher, ist eine Beratung durch einen Steuerberater günstig. Haben Sie Zinserträge aus mehreren Quellen, von denen jede einzelne den Freibetrag bereits übersteigt, ist es unerheblich, wie der Freibetrag auf die verschiedenen Quellen aufgeteilt wird.

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Besonderheiten bei der elektronischen Übermittlung von Rechnungen

Buchführung Freiberufler: Was Sie bei elektronischen Rechnungen beachten müssen

Die elektronische Übermittlung von Rechnungen spielt im Geschäftsleben eine zunehmende Rolle. Zwar entfalten elektronische Rechnungen dieselben Rechtsfolgen wie herkömmliche Rechnungen und müssen dieselben Inhalte umfassen. Zusätzlich zu den gesetzlichen Vorgaben bei Print-Rechnungen müssen bei elektronischen Rechnungen jedoch einige Dinge beachtet werden.

Was ist eine elektronische Rechnung?

Eine elektronische Rechnung im Sinne des Umsatzsteuergesetzes ist eine Rechnung, die in einem elektronischen Format ausgestellt und empfangen wird. Dieses elektronische Dokument hat die gleichen Inhalte und Rechtsfolgen wie eine Print-Rechnung.

Welche Angaben müssen in einer elektronischen Rechnung enthalten sein?

Auch für elektronische Rechnungen gelten die gesetzlichen Anforderungen an Rechnungen. Sie müssen also ebenso wie herkömmliche Rechnungen enthalten:

• Name und Anschrift des leistenden Unternehmers sowie des Leistungsempfängers,
• Termin der Lieferung oder Leistung,
• Menge und Bezeichnung der gelieferten Produkte bzw. Art und Umfang der Dienstleistung,
• die ggf. nach Steuersätzen aufgeschlüsselten Nettobeträge und die jeweils darauf entfallenden Steuerbeträge,
• das Ausstellungsdatum,
• eine einmalig vergebene Rechnungsnummer sowie
• die Steuernummer oder die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Unternehmers.

Zu beachten ist bei der Verwendung elektronischer Rechnungen, dass der Rechnungsempfänger der elektronischen Übermittlung der Rechnung zugestimmt haben muss. Diese Zustimmung kann beispielsweise durch eine Regelung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, eine Zustimmungserklärung im Vorfeld oder eine Zustimmung im Nachhinein erfolgen.

Wie lange ist die Frist zur Erstellung der elektronischen Rechnung?

Ebenso wenig wie beim Inhalt unterscheiden sich gedruckte und elektronische Rechnungen bei der Frist zur Erstellung: Rechnungen an Unternehmen müssen innerhalb von sechs Monaten nach der Erbringung der Leistung gestellt werden; bei Privatkunden existiert keine maximale Frist.

In welcher Form darf die elektronische Rechnung übermittelt werden?

Durch das Steuervereinfachungsgesetz vom 1. Juli 2011 sind die umsatzsteuerrechtlichen Anforderungen für die elektronische Übermittlung von Rechnungen deutlich reduziert worden. Dem Rechnungsaussteller steht es seither vorbehaltlich der Zustimmung des Rechnungsempfängers frei, in welcher Weise er elektronische Rechnungen übermittelt. Zudem ist die Verwendung einer qualifizierten elektronischen Signatur oder eines elektronischen Datenaustauschverfahrens (EDI) für die elektronische Übermittlung einer Rechnung nur noch optional, nicht mehr verpflichtend. Die Rechnung braucht auch nicht unterschrieben werden.
Damit können elektronische Rechnungen beispielsweise als E-Mail mit PDF-Anhang, per Serverfax oder auch als Web- Download versandt werden. Zu beachten ist allerdings, dass die Echtheit der Herkunft, die Unversehrtheit des Inhalts und die Lesbarkeit der Rechnung durch ein innerbetriebliches Kontrollverfahren gewährleistet sein müssen. Dies kann durch jegliche innerbetriebliche Kontrollverfahren erreicht werden, die einen verlässlichen Prüfpfad zwischen Rechnung und Leistung herstellen können.

Aufbewahrungsfristen für Rechnungen

Elektronische Ausgangs- und Eingangsrechnungen müssen ebenso wie herkömmliche Rechnungen zehn Jahre lang unveränderbar aufbewahrt werden und für das Finanzamt zugänglich gemacht werden können. Die Aufbewahrungsfrist beginnt gemäß der Abgabenordnung mit dem Schluss des Kalenderjahres, in dem die Rechnung ausgestellt worden ist.
Zu beachten ist bei der Aufbewahrung, dass elektronisch erhaltene Rechnungen auch unbedingt elektronisch aufbewahrt werden müssen. Den elektronisch erhaltenen Beleg auszudrucken und ihn abzuheften reicht nicht aus. Wenn eine digitale Signatur verwendet wurde, muss auch das Zertifikat zusammen mit der Rechnung gespeichert werden.

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Gesetzliche Anforderungen an Rechnungen

Buchführung Freiberufler: Welche Angaben in einer Rechnung enthalten sein müssen

Rechnungen dokumentieren das Bestehen einer Forderung und spielen eine bedeutende Rolle im Geschäftsverkehr. Die steuerliche Anerkennung von Rechnungen ist dabei an genaue Bedingungen geknüpft.

Welche Angaben müssen in einer Rechnung enthalten sein?

Allgemein muss ein Dokument folgende Angaben enthalten, um von der Finanzbehörde als Rechnung anerkannt zu werden:

• Name und Anschrift des leistenden Unternehmers sowie des Leistungsempfängers,
• Termin der Lieferung oder Leistung,
• Menge und Bezeichnung der gelieferten Produkte bzw. Art und Umfang der Dienstleistung,
• die ggf. nach Steuersätzen aufgeschlüsselten Nettobeträge und die jeweils darauf entfallenden Steuerbeträge,
• das Ausstellungsdatum,
• eine einmalig vergebene Rechnungsnummer sowie
• die Steuernummer oder die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Unternehmers.

Rechnungen erfordern keine Unterschrift.

Wie lange ist die Frist zur Erstellung der Rechnung?

Rechnungen an Unternehmen müssen innerhalb von sechs Monaten nach der Erbringung der Leistung gestellt werden. Bei Privatkunden existiert keine maximale Frist für die Rechnungsstellung.

Form der Rechnung

Die Rechnung kann schriftlich oder elektronisch übermittelt werden. Natürlich gelten auch für die elektronische Rechnung die gesetzlichen Anforderungen. Durch das Steuervereinfachungsgesetz wurde das umständliche Verfahren, die elektronische Rechnung mit der Digitalen Signatur zu versehen, aufgehoben. Um elektronische Rechnungen versenden zu können, benötigen Sie allerdings das Einverständnis des Rechnungsempfängers.

Umsatzsteuerausweis in der Rechnung

Nur eine korrekte Rechnung, die den rechtlichen Anforderungen genügt, berechtigt auch zum Vorsteuerabzug.
Korrekte Rechnungen mit einem richtigen Umsatzsteuerausweis zu schreiben liegt aber nicht nur im Interesse des Rechnungsempfängers, um die Vorsteuer abziehen zu dürfen, sondern auch im Interesse des leistenden Unternehmers: Weist der leistende Unternehmer einen Umsatzsteuerbetrag aus, obwohl er hierzu nicht berechtigt ist, schuldet der leistende Unternehmer die Umsatzsteuer dem Finanzamt dennoch.
Nur Kleinunternehmer im Sinne des § 19 des Umsatzsteuergesetzes, also Unternehmer, deren Umsätze maximal 17.500 Euro im Jahr betragen, brauchen keine Umsatzsteuer angeben und einziehen. Dafür dürfen sie im Umkehrschluss aber auch keine Vorsteuer aus Eingangsrechnungen in Abzug bringen. Da also die Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer abzuführen haben, dürfen sie auch keine in Rechnung stellen.

Vereinfachte Rechnung für Beträge bis 150 Euro

Für sogenannte Kleinbetragsrechnungen bis zu einem Gesamtbetrag von 150 Euro sieht die Umsatzsteuerdurchführungsverordnung eine Vereinfachung vor. In diesen Fällen genügen die Angaben:

• vollständiger Name und vollständige Anschrift des leistenden Unternehmers,
• das Ausstellungsdatum,
• die Menge und die Art der gelieferten Gegenstände oder den Umfang und die Art der sonstigen Leistung und
• das Entgelt und der darauf entfallende Steuerbetrag für die Lieferung oder sonstige Leistung in einer Summe sowie der anzuwendende Steuersatz oder im Fall einer Steuerbefreiung ein Hinweis darauf, dass für die Lieferung oder sonstige Leistung eine Steuerbefreiung gilt.

Die Angabe des Empfängernamens, der Rechnungs- und Steuernummer sowie der separate Ausweis des Umsatzsteuerbetrages ist bei Kleinbetragsrechnungen also entbehrlich.

Aufbewahrungsfristen für Rechnungen

Ein Unternehmer muss Kopien der von ihm ausgestellten Rechnungen sowie alle Rechnungen, die er erhalten hat, zehn Jahre lang aufbewahren. Die Rechnungen müssen für den gesamten Zeitraum lesbar sein. Die Aufbewahrungsfrist beginnt gemäß der Abgabenordnung mit dem Schluss des Kalenderjahres, in dem die Rechnung ausgestellt worden ist.
Elektronische Ausgangs- und Eingangsrechnungen müssen ebenfalls zehn Jahre lang elektronisch und unveränderbar aufbewahrt werden und für das Finanzamt zugänglich gemacht werden können.

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Umsatzsteuer auf elektronisch erbrachte Dienstleistungen

Steuerberater online: Änderung des Leistungsortes zum 1. Januar 2015

Der elektronische Geschäftsverkehr wird immer bedeutender und somit nehmen auch die elektronisch erbrachten Dienstleistungen einen weiter steigenden Stellenwert ein. Nach einer Studie des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft e.V. setzen Internet-Dienste wie elektronischer Geschäftsverkehr oder Social Networks jährlich in Deutschland mehr als 30 Milliarden Euro um. Bis 2016 soll der Umsatz in beiden Sparten um jeweils weitere zehn Prozent pro Jahr wachsen, so dass im elektronischen Geschäftsverkehr mit einem Volumen von 28,4 Milliarden Euro gerechnet wird.

Welche Leistungen sind umsatzsteuerpflichtig?

Der Umsatzsteuerpflicht unterliegen gemäß § 1 des Umsatzsteuergesetzes die Lieferungen und sonstigen Leistungen, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt.
In der Umsatzsteuer wurden dabei für elektronisch erbrachte Dienstleistungen eigene Normen geschaffen, um die Wettbewerbsneutralität zwischen EU-Unternehmern und Drittlandsanbietern bzw. zwischen Unternehmern aus verschiedenen EU-Staaten zu wahren.

Was sind elektronisch erbrachte Dienstleistungen?

Im nationalen Umsatzsteuergesetz gibt es keine Definition von elektronisch erbrachten Dienstleistungen.
Eine Definition nach EU-Recht findet sich in der Mehrwertsteuer-Durchführungsverordnung. Hier werden elektronisch erbrachte Dienstleistungen definiert als Dienstleistungen, die über das Internet oder ein ähnliches elektronisches Netz erbracht werden, deren Erbringung aufgrund ihrer Art im Wesentlichen automatisiert und nur mit minimaler menschlicher Beteiligung erfolgt und ohne Informationstechnologie nicht möglich wäre. Elektronisch erbrachte Dienstleistungen sind demnach alle sonstigen Dienstleistungen, die ihrer Art nach nur über das Internet erbracht werden können.
Im Anhang der Mehrwertsteuersystem-Richtlinie der EU findet sich ein exemplarisches, nicht abschließendes Verzeichnis elektronisch erbrachter Dienstleitungen. Danach gehören folgende Dienstleistungen dazu:

1. Bereitstellung von Websites, Webhosting, Fernwartung von Programmen und Ausrüstungen;

2. Bereitstellung von Software und deren Aktualisierung;

3. Bereitstellung von Bildern, Texten und Informationen sowie Bereitstellung von Datenbanken;

4. Bereitstellung von Musik, Filmen und Spielen, einschließlich Glücksspielen und Lotterien sowie von Sendungen und Veranstaltungen aus den Bereichen Politik, Kultur, Kunst, Sport, Wissenschaft und Unterhaltung;

5. Erbringung von Fernunterrichtsleistungen.

Offline- und Online-Umsätze

Elektronisch erbrachte Dienstleistungen lassen sich in Offline-Umsätze und Online-Umsätze unterscheiden. Als Offline-Umsätze werden elektronisch erbrachte Dienstleistungen bezeichnet, deren zugrunde liegender Vertrag über das Internet zustande kommt, die Leistungserbringung jedoch auf physischem Weg erfolgt, z.B. Bestellungen von Büchern oder CDs im Internet, die dann nach Hause geliefert werden. Die umsatzsteuerliche Behandlung solcher Umsätze unterscheidet sich nicht von der Behandlung anderer, nicht-elektronisch erbrachter Leistungen.
Bei Online-Umsätzen kommt der Vertrag ebenfalls über das Internet zustande, aber im Gegensatz zu den Offline-Umsätzen erfolgt in diesen Fällen auch die Leistungserbringung ausschließlich online, z.B. beim Kauf eines E-Books oder anderer elektronischer Kopien urheberrechtlich geschützter Werke, wie Musikdateien, Kinofilme oder Software.

Leistungsort bei elektronisch erbrachten Dienstleistungen

Beim Business-to-Business-Geschäft, also dem Leistungsaustausch zwischen zwei Unternehmern, bestimmt sich der Leistungsort wie bei den nicht-elektronisch erbrachten sonstigen Leistungen nach dem Leistungsort des Leistungsempfängers. Der Leistungsempfänger ist hierbei Steuerschuldner (sogenanntes „Reverse-Charge“).
Beim Business-to-Consumer-Geschäft, also dem Leistungsaustausch zwischen einem Unternehmer als Leistungserbringer und einem Leistungsempfänger, der kein Unternehmer ist, gibt es im Bereich des elektronischen Geschäftsverkehrs einige Besonderheiten. Bis zum 1. Januar 2015 erfolgt die Besteuerung noch nach dem Ursprungslandprinzip am Leistungsort des Leistenden. Ab dem 1. Januar 2015 wird die Besteuerung jedoch nach dem Bestimmungslandprinzip, also am Ansässigkeitsort des Leistungsempfängers erfolgen. Der anwendbare Steuersatz ergibt sich dann aus der Bestimmung des Leistungsortes.

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Selbstanzeige bei Steuerdelikten

Steuerberater online: Die strafbefreiende Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung

In den vergangenen Monaten war die Möglichkeit der Straffreiheit von Steuerdelikten bei Selbstanzeige aufgrund prominenter Fälle in aller Munde.

Was ist eine Selbstanzeige?

Bei Steuerhinterziehung kann eine Selbstanzeige unter bestimmten Voraussetzungen dazu führen, dass man straffrei bleibt. Der Gesetzgeber hat die Selbstanzeige eingeführt, um dem Finanzamt bisher verheimlichte Geldmittel zu erschließen.
Die Abgabenordnung sieht in § 371 eine Straffreiheit bei Steuerhinterziehung vor, wenn der Steuerpflichtige zu allen unverjährten Steuerstraftaten einer Steuerart gegenüber dem Finanzamt in vollem Umfang die unrichtigen Angaben berichtigt, die unvollständigen Angaben ergänzt oder die unterlassenen Angaben nachholt.

Unter welchen Voraussetzungen ist eine Selbstanzeige wirksam?

Die Voraussetzungen für die strafbefreiende Wirkung der Selbstanzeige ergeben sich aus § 371 der Abgabenordnung. Danach muss die Selbstanzeige rechtzeitig abgegeben werden und vollständig sein.
Als unverjährt gelten Steuerstraftaten innerhalb der folgenden Fristen:

– einfache Steuerstraftaten verjähren nach fünf Jahren,
– besonders schwere Fällen der Steuerhinterziehung nach zehn Jahren,
– Nachforderungsansprüche des Finanzamts verjähren regelmäßig nach zehn Jahren.

„Vollständig“ bedeutet, dass der Betroffene wirklich alle Guthaben und Konten bekanntgeben und alle relevanten Zeiträume benennen muss. Die Besteuerungsgrundlagen müssen in tatsächlicher Höhe angegeben und ggf. nachgewiesen werden. Sofern keine exakten Zahlen vorliegen, kann dem Finanzamt eine begründete vorläufige Schätzung der Steuer mitgeteilt werden. Unvollständige Selbstanzeigen wirken nicht strafbefreiend. Ferner muss der Betroffene die hinterzogenen Steuern und die Hinterziehungszinsen fristgerecht nachzahlen.
Adressat der Selbstanzeige ist immer das örtlich und sachlich zuständige Finanzamt. Eine bestimmte Form ist für die Selbstanzeige nicht vorgesehen. Weil die Selbstanzeige jedoch erfordert, dass unrichtige oder unvollständige Angaben berichtigt oder ergänzt werden, empfiehlt es sich, die Selbstanzeige in jedem Fall schriftlich zu erklären.

Wann ist eine Selbstanzeige ausgeschlossen?

Ausgeschlossen ist eine strafbefreiende Selbstanzeige bei Vorliegen eines sogenannten „Sperrgrundes“. Gesetzliche Ausschlussgründe sind:

– die Bekanntgabe einer Prüfungsanordnung für eine Außenprüfung,
– die Entdeckung der Tat durch das Finanzamt,
– das Erscheinen eines Prüfers des Finanzamts zur steuerlichen Prüfung oder zur Ermittlung einer Steuerstraftat oder
– die Bekanntgabe der Einleitung eines Strafverfahrens.

Was sind die Konsequenzen einer Selbstanzeige?

Ist die Selbstanzeige rechtlich wirksam, so tritt Straffreiheit ein, d.h. es wird kein Strafverfahren durchgeführt. Die hinterzogenen Steuern müssen zuzüglich sechs Prozent Zinsen pro Jahr innerhalb einer angemessenen Frist nachgezahlt werden. Jedes einzelne Jahr, für das man Steuern hinterzogen hat, gilt als eine Tat, für die eine Strafe angesetzt wird. Liegt der Betrag pro Jahr über 50.000 Euro, müssen nochmal fünf Prozent der hinterzogenen Summe gezahlt werden, um nicht strafrechtlich verfolgt zu werden.

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Kirchensteuer auf Kapitalerträge

Steuerberater online: Ab 1. Januar 2015 wird die Kirchensteuererhebung für den Bereich der Kapitalerträge modernisiert

Vielleicht haben Sie bereits eine Mitteilung ihrer Bank erhalten: Zum Stichtag 1. Januar 2015 wird ein automatisiertes Verfahren zum Abzug von Kirchensteuer auf abgeltend besteuerte Kapitalerträge eingerichtet. Die Kirchensteuer, die in Verbindung mit der Abgeltungsteuer anfällt, muss ab 2015 direkt an die Glaubensgemeinschaften abgeführt werden. Für die Kunden ändert sich hierdurch nichts.

Bisherige Regelung

Seit 2009 sind Kapitalerträge abgeltungsteuerpflichtig. Zu der Abgeltungsteuer kommt noch der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 % und bei Mitgliedschaft in einer kirchensteuerberechtigten Religionsgemeinschaft die Kirchensteuer. Die Höhe der Kirchensteuer wird von den Ländern festgesetzt und auch von diesen eingezogen. Allerdings wird die Kirchensteuer genauso wie die Abgeltungsteuer und der Solidaritätszuschlag erst fällig, wenn der Sparerpauschbetrag von 801 Euro (bei Verheirateten 1602 Euro) „aufgebraucht“ ist.
Bislang mussten Kunden die Kirchensteuer für ihre Zins- und Kapitalerträge selbst im Rahmen ihrer Steuererklärung erklären.

Neues Einzugsverfahren ab dem 1. Januar 2015

Schon bei der Einführung der Abgeltungsteuer war die Umstellung auf die direkte Abführung durch die Banken vereinbart worden, da die Abgeltungsteuer eine sogenannte „Quellensteuer“ ist, also eine Steuer, die direkt dort abgeführt wird, wo sie anfällt. Ziel der Neuregelung ist, auch die Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer weitestgehend an der Quelle zu erheben. Das derzeitige Verfahren wurde damals ausdrücklich nur als Übergangsregelung vorgesehen, weil das automatische Verfahren zum Einbehalt von Kirchensteuer auf Kapitalertragsteuer zum damaligen Zeitpunkt technisch noch nicht realisierbar war. Diese Übergangsregelung läuft ab 2015 aus.
Die künftige gesetzliche Regelung sieht vor, dass die Banken einmal jährlich beim Bundeszentralamt für Steuern die Religionszugehörigkeit des Kunden abfragen und die Kirchensteuer direkt an die Glaubensgemeinschaften abführen. Die Bank erhält dazu einen numerischen Schlüssel, unter dem die ermittelte Kirchensteuer für den jeweiligen Kunden abzuführen ist. Außerdem wird die Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer nunmehr zielgerichtet dem Steuergläubiger (z. B. Bistum oder Landeskirche) zugeordnet, dem die Steuerpflichtigen angehören.
Soweit die steuerpflichtigen Kirchenmitglieder diesen pauschalen Abgeltungsweg nicht wünschen, z.B. weil ihr individueller Einkommensteuersatz unter dem Abgeltungsteuersatz von
25 % liegt, haben sie weiterhin die Möglichkeit, ihre Kapitalerträge in ihrer eigenen Steuererklärung anzugeben. Die Finanzverwaltung wird dann im Veranlagungsverfahren die Kirchensteuer erheben. Die bisher mögliche Steuerfreistellung von Kapitalerträgen (z.B. beim Sparerpauschbetrag) bleibt ebenfalls erhalten.
Laut eines Experten des Bundeszentralamtes für Steuern ist ausgeschlossen, dass Bankangestellte die konkrete Konfession eines Kunden erfahren. Der Kirchensteuerpflichtige hat jedoch einen Anspruch darauf, zu erfahren, an welche Religionsgemeinschaft die Bank für ihn Kirchensteuer abgeführt hat. Die Steuerbescheinigungen enthalten daher entsprechende Hinweise.

Widerspruchsmöglichkeit gegen Weitergabe der Kirchensteuerdaten

Möchte ein Kunde nicht, dass seine Bank erfährt, ob er einer Glaubensgemeinschaft angehört, hat er die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen, die sogenannte Sperrvermerkserklärung. Dazu muss der Steuerpflichtige unter Angabe seiner Steueridentifikationsnummer schriftlich beim Bundeszentralamt für Steuern widersprechen. Die Kirchensteuerdaten werden in den Monaten September und Oktober abgefragt. Um sicherzugehen, dass die Daten nicht unerwünscht weitergegeben werden, sollte der Kunde dafür sorgen, dass der Widerspruch dem Bundeszentralamt für Steuern spätestens am 30. Juni 2014 vorliegt. Kirchensteuerpflichtige Kunden, die eine solche Sperrvermerkserklärung abgeben, müssen sich auch weiterhin selbst um die Abführung der Kirchensteuer kümmern.

Gemeinsames Konto bei konfessionsverschiedenen Ehegatten

Führt ein Ehepaar, bei dem nur einer der Partner einer kirchensteuerberechtigten Religionsgemeinschaft angehört, ein gemeinsames Konto, so werden die Kapitalerträge jedem Ehegatten zur Hälfte zugerechnet. Die Bank berechnet dann für den kirchensteuerpflichtigen Partner die Kirchensteuer entsprechend seinem Bundesland und führt für die Hälfte der steuerpflichtigen Zinserträge Kirchensteuer an das Finanzamt ab.

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