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Veranlagung zur Einkommensteuer bei Ehegatten

Steuerberater online: Je nach Einkommenssituation ist eine Einzel- oder eine Ehegattenveranlagung vorteilhaft

„Veranlagung“ ist das Verfahren, in dem die Einkommensteuer erhoben wird. Das Einkommensteuergesetz sieht grundsätzlich das Individualprinzip vor, d.h. die Steuergesetze werden auf jeden Steuerpflichtigen gesondert angewendet. Dies gilt grundsätzlich auch für Ehegatten.

Einzelveranlagung

Dieser sogenannten Einzelveranlagung unterliegen alle Steuerpflichtigen, für die die Ehegattenbesteuerung nicht in Frage kommt, d.h. jene, die ledig, verwitwet oder geschieden sind oder die zwar verheiratet sind, aber die Voraussetzungen für die Ehegattenveranlagung nicht erfüllen.
Bei Ehegatten wird der Grundsatz der Einzelveranlagung durchbrochen, wenn
1. beide Ehegatten unbeschränkt steuerpflichtig sind und
2. die Ehegatten nicht dauernd getrennt leben.
Sind beide Kriterien kumulativ erfüllt, spricht man von steuerlichen Ehepaaren. Die Ehegattenveranlagung gilt grundsätzlich für den gesamten Anwendungszeitraum (das Kalenderjahr). Ist mindestens ein Kriterium nicht erfüllt, findet die Einzelveranlagung Anwendung.
Wenn die beiden obigen Kriterien erfüllt sind, ist eine Einzelveranlagung nicht möglich. Die Eheleute können aber zwischen mehreren Arten der Ehegattenveranlagung wählen, die im Folgenden vorgestellt werden. Besonders bei mehreren anwendbaren Optionen ist die Beratung durch einen Steuerberater günstig.

Zusammenveranlagung

Die Zusammenveranlagung ist die häufigste Form der Ehegattenveranlagung. Sie findet automatisch Anwendung, sofern sich die Ehegatten nicht zur Form der Veranlagung äußern. Bei der Zusammenveranlagung werden die Einkünfte der Ehegatten zunächst wie bei der Einzelveranlagung getrennt ermittelt. Die Summen der Einkünfte beider Ehegatten werden anschließend zusammengerechnet und die Ehegatten werden für die weitere Ermittlung des zu versteuernden Einkommens gemeinsam als ein Steuerpflichtiger betrachtet. Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen werden im Rahmen der gemeinsamen Höchstbeträge gemeinsam ermittelt.
Auf das derart ermittelte zu versteuernde Einkommen findet dann das Splittingverfahren Anwendung: Das addierte zu versteuernde Einkommen der Ehegatten wird halbiert. Auf diesen Betrag wird die Steuerbelastung ermittelt, welche anschließend verdoppelt wird. Auf diese Weise wird fingiert, dass beide jeweils die Hälfte des addierten zu versteuernden Einkommens erzielt hätten.
Das Splittingverfahren stellt aufgrund des progressiven Einkommensteuertarifs häufig die günstigste Lösung für Ehegatten dar, insbesondere dann, wenn sich die Höhe der Einkommen der beiden Partner stark voneinander unterscheidet.
Neben der Zusammenveranlagung stehen Ehegatten zwei weitere Veranlagungsformen zur Wahl, die besondere Veranlagung und die getrennte Veranlagung.

Besondere Veranlagung

Im Jahr der Eheschließung können Ehegatten die besondere Veranlagung wählen, d.h. sie werden für das Jahr der Eheschließung so behandelt, als seien sie unverheiratet. Die besondere Veranlagung entspricht also grundsätzlich der Einzelveranlagung. Zweckmäßig ist diese Option dann, wenn mindestens ein Ehegatte vor der Eheschließung als Verwitweter nach dem Splittingverfahren zu behandeln wäre. In diesen Fällen könnten sich durch die Zusammenveranlagung mit dem neuen Ehepartner Nachteile ergeben.

Getrennte Veranlagung

Während der Ehe können Ehegatten eine getrennte Veranlagung wählen, bei der für jeden Partner eine separate Einkommensermittlung vorgenommen wird. Es findet kein Verlustausgleich zwischen den Partnern statt. Hinsichtlich der außergewöhnlichen Belastungen werden die Ehegatten jedoch als Einheit betrachtet.

Anwendungsfälle des Ehegattensplittings bei Unverheirateten

Es gibt zwei Fälle, in denen das Ehegattensplitting bei Unverheirateten Anwendung findet. Zum einen sieht das Einkommensteuergesetz das sogenannte Gnadensplitting vor: Bei verwitweten Steuerpflichtigen, bei denen zum Todeszeitpunkt des Ehegatten die Voraussetzungen für die Ehegattenbesteuerung erfüllt waren und die inzwischen nicht wieder geheiratet oder die besondere Veranlagung gewählt haben, wird im Kalenderjahr nach dem Tod des Ehegatten das Splittingverfahren angewandt.
Ein Geschiedener unterliegt im Jahr der Scheidung dem Splittingverfahren, wenn im Kalenderjahr der Scheidung die Voraussetzungen für die Ehegattenbesteuerung erfüllt waren, der bisherige Ehegatte wieder geheiratet hat und mit seinem neuen Ehegatten ebenfalls die Voraussetzungen für die Ehegattenbesteuerung erfüllt.

Veranlagung bei eingetragener Lebenspartnerschaft

Mitte 2013 beschloss das Bundesverfassungsgericht, dass die bis dato angewandte steuerliche Ungleichbehandlung von Ehen und eingetragenen Lebenspartnerschaften verfassungswidrig sei. Somit können sich eingetragene Lebenspartner rückwirkend zum Veranlagungszeitraum 2001 bei der Einkommensteuer zusammen veranlagen lassen; allerdings nur, sofern die Lebenspartner den bisherigen Steuerbescheiden widersprochen haben.

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Handels- und steuerrechtliche Aufbewahrungspflichten

Wie lange Selbständige und Freiberufler Buchführungsunterlagen aufbewahren müssen

Sowohl handels- als auch steuerrechtlich sind Aufbewahrungsfristen für geschäftliche Unterlagen vorgeschrieben.

Welche Unterlagen sind aufzubewahren?

Das Handelsgesetzbuch verpflichtet jeden Kaufmann, folgende Unterlagen geordnet aufzubewahren:

• Handelsbücher, Inventare, Eröffnungsbilanzen, Jahresabschlüsse, Einzelabschlüsse, Lageberichte, Konzernabschlüsse, Konzernlageberichte sowie die zu ihrem Verständnis erforderlichen Arbeitsanweisungen und sonstigen Organisationsunterlagen,
• die empfangenen Handelsbriefe,
• Wiedergaben der abgesandten Handelsbriefe,
• Belege für Buchungen in den von ihm zu führenden Büchern.

Das Steuerrecht sieht eigene Aufbewahrungspflichten vor, die für alle Buchführungs- und Aufzeichnungspflichtigen im Sinne der Abgabenordnung gelten. Diese entsprechen zwar weitgehend den handelsrechtlichen Vorschriften, gehen aber sowohl hinsichtlich des Umfangs der aufzubewahrenden Unterlagen als auch im Hinblick auf die Aufbewahrungsfristen weiter. Zusätzlich zu den handelsrechtlich aufzubewahrenden Unterlagen fordert das Steuerrecht die Aufbewahrung aller sonstigen Unterlagen, soweit sie für die Besteuerung von Bedeutung sind.

Wie lange sind die Unterlagen aufzubewahren?

Empfangene Handelsbriefe, Wiedergaben abgesandter Handelsbriefe, Geschäftspapiere und sonstige Unterlagen mit kaufmännischer und steuerlicher Bedeutung sind sechs Jahre aufzubewahren.
Handelsbücher, Inventare, Eröffnungsbilanzen, Jahresabschlüsse, Einzelabschlüsse, Lageberichte, Konzernabschlüsse, Konzernlageberichte sowie die zu ihrem Verständnis erforderlichen Arbeitsanweisungen und sonstigen Organisationsunterlagen sind zehn Jahre aufzubewahren. Das gilt auch für Buchungsbelege zu den zu führenden Büchern. Eingangs- und Ausgangsrechnungen sind ebenfalls zehn Jahre aufzubewahren. Freiberufler sind verpflichtet, ihre Einnahmenüberschussrechnung zehn Jahre aufzubewahren.

Nach Ablauf der Aufbewahrungsfristen sind Unterlagen auch dann weiter aufzubewahren, wenn und soweit sie für folgende Sachverhalte von Bedeutung sind:

• für eine begonnene Außenprüfung,
• für eine vorläufige Steuerfestsetzung,
• für anhängige steuerstraf- oder bußgeldrechtliche Ermittlungen,
• für ein schwebendes oder aufgrund einer Außenprüfung zu erwartendes Rechtsbehelfsverfahren,
• zur Begründung von Anträgen an das Finanzamt durch den Steuerpflichtigen.

Die Aufbewahrungsfrist beginnt am Schluss des Jahres, d.h. die letzte Eintragung in die Geschäftsbücher ist erfolgt, der Abschluss fertig gestellt, das Inventar ist aufgestellt oder Handels- und Geschäftsbriefe sind ein- bzw. ausgegangen.
Ein Gesetzesentwurf, der noch vom Bundesrat abgesegnet werden muss, sieht eine Verkürzung der aktuell zehnjährigen Aufbewahrungsfristen in der Abgabenordnung und im Umsatzsteuergesetz auf acht bzw. sieben Jahre vor. Auch die handelsrechtlichen Aufbewahrungsfristen sollen nach diesem Entwurf in einem ersten Schritt auf acht Jahre und ab 2015 auf sieben Jahre verkürzt werden. Dies soll zu einem Einsparpotenzial für die Unternehmen von rund 2,5 Milliarden Euro jährlich führen.

In welcher Form sind Geschäftsunterlagen aufzubewahren?

Mit Ausnahme der Eröffnungsbilanzen und Abschlüsse können die nach dem Handels- bzw. Steuerrecht aufzubewahrenden Unterlagen auch als Wiedergabe auf einem Bildträger oder auf anderen Datenträgern aufbewahrt werden, wenn dies den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht und sichergestellt ist, dass die Wiedergabe oder die Daten
1. mit den empfangenen Handelsbriefen und den Buchungsbelegen bildlich und mit den anderen Unterlagen inhaltlich übereinstimmen, wenn sie lesbar gemacht werden,
2. während der Dauer der Aufbewahrungsfrist verfügbar sind und jederzeit innerhalb angemessener Frist lesbar gemacht werden können.
Sind Unterlagen auf Datenträgern hergestellt worden, können statt des Datenträgers die Daten auch ausgedruckt aufbewahrt werden.

Rückstellungen für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen

In Höhe der zu erwartenden Kosten für die Aufbewahrung der Geschäftsunterlagen ist im Jahresabschluss eine Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten zu bilden. Für die Bewertung sind sämtliche Einzel- sowie ein angemessener Teil der Gemeinkosten maßgebend. Ferner ist die Rückstellung mit dem Betrag zu passivieren, der nach den Preisverhältnissen des jeweiligen Bilanzstichtags für die Erfüllung von Verpflichtungen voraussichtlich notwendig ist.
Die Rückstellung kann nach zwei Methoden ermittelt werden:

1. Die Kosten werden für die Unterlagen in jedem Jahr gesondert ermittelt. Das Ergebnis wird dann jeweils mit der Anzahl der Jahre bis zum Ablauf der Aufbewahrungsfrist multipliziert.
2. Die jährlich anfallenden Kosten werden mit dem Faktor 5,5 multipliziert, was der durchschnittlichen Restaufbewahrungsdauer entspricht. Somit kann eine Unterscheidung zwischen den Aufbewahrungsfristen unterbleiben, sofern dies nicht zu einem unangemessenen Ergebnis führt. Der Aufwand für Einlagerung, Mikroverfilmung, Digitalisierung und Datensicherung fällt nur einmal an und darf deshalb nicht vervielfältigt werden.

In die Rückstellungsberechnung müssen folgende Kosten einbezogen werden:

• Raumkosten wie Gebäude-AfA, Miete, Strom, Grundsteuer, Instandhaltung und Gebäudeversicherung (entweder durch direkte Zuordnung oder entsprechend dem Anteil der Fläche des Archivs an der Gesamtfläche)
• Sonderkosten wie beispielsweise Sach- und Personalkostenaufwand für die Einlagerung der am Bilanzstichtag noch nicht archivierten Unterlagen
• Betriebsausgaben und AfA für die Einrichtungsgegenstände im Archiv
• Personalkosten, die anteilig für den Aufbewahrungsraum anfallen
• Interne und externe Kosten für Archivierung, Sicherung und Lesbarmachung

Die Summe der Aufbewahrungskosten des laufenden Jahres ist dann mit dem Rückstellungsbetrag der Bilanz des Vorjahres zu vergleichen. Der Differenzbetrag ist der Rückstellung entweder zuzuführen oder es muss eine Auflösung erfolgen.

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Besteuerung von Einnahmen aus Beteiligungen an Kapitalgesellschaften

Steuerberater online: Das Teileinkünfteverfahren und die Abgeltungssteuer

Kapitalgesellschaften unterliegen in Deutschland grundsätzlich der Körperschaftsteuer. Um die Ausübung einer unternehmerischen Tätigkeit über eine Kapitalgesellschaft nicht grundsätzlich gegenüber Personenunternehmen (seien es Einzelunternehmer oder Personengesellschaften) steuerlich zu benachteiligen, ist die Vorbelastung der Einkünfte der Kapitalgesellschaft mit Körperschaftsteuer bei ihren Anteilseignern (die mit den über die Kapitalgesellschaft erzielten Einkünften ihrerseits der Einkommensteuer unterliegen) zu berücksichtigen. Um eine zweifache Belastung mit Körperschaft- und Einkommensteuer abzumildern, existieren seit 2009 das Teileinkünfteverfahren und die Abgeltungsteuer. Welches Verfahren zur Anwendung kommt ist davon abhängig, ob der Anteilseigner eine natürliche Person, Personengesellschaft oder eine Kapitalgesellschaft ist und ob die Beteiligung im Privat- oder Betriebsvermögen gehalten wird.

Das Teileinkünfteverfahren

Das Teileinkünfteverfahren findet bei betrieblichen Einkünften Anwendung, d.h. bei Ausschüttungen oder Veräußerungsgewinnen aus Beteiligungen, die im Betriebsvermögen einer natürlichen Person oder Personengesellschaft gehalten werden. Im Teileinkünfteverfahren ist nur ein Teil, nämlich 60 %, der Einnahmen aus gewerblichen Einkünften steuerpflichtig; die restlichen 40 % sind steuerfrei. Entsprechend beträgt der berücksichtigungsfähige Anteil der Werbungskosten 60 %. Auf die Einnahmen wird dann der übliche Einkommensteuertarif angewandt. Dazu hier ein kleines Rechenbeispiel:

Teileinkünfteverfahren

Die Abgeltungsteuer

Die Abgeltungsteuer findet bei Kapitalerträgen eines Privatanlegers Anwendung, d.h. bei Ausschüttungen oder Veräußerungsgewinnen aus Beteiligungen, die im Privatvermögen einer natürlichen Person oder Personengesellschaft gehalten werden. Ausnahmen bilden hierbei
• Veräußerungsgewinne aus Beteiligungen ab 1 %; hier muss das Teileinkünfteverfahren angewandt werden.
• Beteiligungen ab 25 % im Privatvermögen; hier existiert ein Wahlrecht zum Teileinkünfteverfahren.
• Beteiligungen von mindestens 1 % und der Voraussetzung, dass der Anteilseigner beruflich für die Gesellschaft tätig ist; hier existiert ebenfalls ein Wahlrecht zum Teileinkünfteverfahren.

Durch die Abgeltungsteuer werden die Kapitalerträge pauschal mit 25 % Einkommensteuer (zuzüglich Solidaritätszuschlag und evtl. Kirchensteuer) belastet. Werbungskosten sind nicht abzugsfähig, es wird nur ein Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro (bei Zusammenveranlagung 1.602 Euro) gewährt.
Nachfolgend finden Sie ein Rechenbeispiel zur Abgeltungsteuer:

Abgeltungsteuer

Kapitalgesellschaft als Anteilseigner

Ist der Anteilseigner eine Kapitalgesellschaft, sind Ausschüttungen und Veräußerungsgewinne von Kapitalbeteiligungen in vollem Umfang steuerfrei. Allerdings gilt ein pauschales Betriebsausgabenabzugsverbot von 5 % der jeweiligen Ausschüttung bzw. des Veräußerungsgewinns, d.h. de facto sind nur 95 % der Einkünfte steuerfrei. Die Kapitalgesellschaft darf dafür jedoch sämtliche Ausgaben, die mit diesen Beteiligungen in Zusammenhang stehen, als Betriebsausgaben geltend machen.
Die Reduktion der Steuerfreiheit von Gewinnausschüttungen auf 95 % führt zu einer kumulativen Belastung mit Körperschaftsteuer auf 5 % des Ausschüttungsbetrages und somit im Ausschüttungsfall zu einer Mehrbelastung durch jede zusätzliche Besteuerungsebene im Konzern.

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Geringfügige Beschäftigung

Wie sie einkommensteuerlich zu behandeln ist

Etwa 7,48 Mio. Menschen in Deutschland üben eine geringfügige Beschäftigung (umgangssprachlich als „Minijob“ bezeichnet) aus, entweder als alleinige Beschäftigung oder als Nebenjob. Dieser Artikel soll Ihnen einen kurzen Überblick über die einkommensteuerlichen Auswirkungen eines Minijobs geben.

Was ist ein „Minijob“?

Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung liegt vor, wenn das monatliche Arbeitsentgelt regelmäßig 450 Euro nicht überschreitet. Das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt ermittelt sich abhängig von der Anzahl der Monate, für die eine Beschäftigung gegen Arbeitsentgelt besteht. Dabei sind maximal zwölf Monate anzusetzen. Das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt darf durchschnittlich im Jahr 450 Euro nicht übersteigen. Das entspricht einer Verdienstgrenze von maximal 5.400 Euro pro Jahr bei durchgehender mindestens zwölf Monate dauernder Beschäftigung. Dem regelmäßigen monatlichen Arbeitsverdienst sind auch einmalige Einnahmen hinzuzurechnen, die mit hinreichender Sicherheit mindestens einmal jährlich gezahlt werden, wie zum Beispiel Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld.

Minijob als alleiniges Beschäftigungsverhältnis

Das Entgelt aus einer geringfügigen Beschäftigung ist generell steuerpflichtig. Für die Besteuerung bestehen zwei Möglichkeiten: Entweder erfolgt die Besteuerung pauschal oder nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen des Arbeitnehmers.
Bei einer pauschalen Besteuerung ist die Lohnsteuer einschließlich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer für einen Minijob mit einem einheitlichen Pauschsteuersatz von insgesamt 2 Prozent des Arbeitsentgelts zu erheben. Steuerschuldner ist der Arbeitgeber. Er hat die Möglichkeit, die Steuer auf den Arbeitnehmer abzuwälzen, indem er sie vom Arbeitsentgelt einbehält. Der pauschal versteuerte Lohn bleibt in jedem Fall bei der persönlichen Einkommensteuerveranlagung des Arbeitnehmers unberücksichtigt und muss auch nicht in der Steuererklärung angegeben werden. Ein Abzug der vom Arbeitnehmer getragenen Pauschsteuer als Werbungskosten kommt nicht in Betracht.
Die Besteuerung des Entgelts aus der geringfügigen Beschäftigung kann auch gemäß den Lohnsteuerabzugsmerkmalen des Arbeitnehmers vorgenommen werden. Bei einem Arbeitnehmer mit der Steuerklasse I, II, III oder IV fällt im Minijob keine individuelle Einkommensteuer an, wenn daneben keine anderen steuerpflichtigen Einkünfte vorhanden sind, da das maximale Jahresentgelt von 5.400 Euro unter dem Grundfreibetrag liegt. Bei den Lohnsteuerklassen V oder VI erfolgt hingegen schon bei geringen Arbeitsentgelten ein Steuerabzug. Im Falle der individuellen Besteuerung ist der Minijob auch in der Einkommensteuererklärung zu erklären.

Minijob neben sozialversicherungspflichtigem Beschäftigungsverhältnis

Wird neben einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit ein Minijob ausgeübt, ändert sich im Falle der pauschalen Besteuerung des Minijobs für den Arbeitnehmer nichts. Die Einkünfte aus dem Minijob unterliegen auch nicht dem Progressionsvorbehalt.
Wird dagegen das Entgelt aus dem Minijob individuell versteuert, so unterliegen sämtliche Einkünfte aus Haupt- und Nebentätigkeit der Progression, d.h. die Einkünfte aus dem Minijob erhöhen den für die Einkünfte aus der Hauptbeschäftigung maßgeblichen Steuersatz.

Steuerliche Buchführungspflicht: Selbständige Tätigkeit und Minijob

Auch Selbstständige und Freiberufler können neben ihrer Tätigkeit einen Minijob annehmen und müssen die Einkünfte daraus nicht über die Pauschalsteuer hinaus versteuern. Eine Besonderheit gilt allerdings für Selbstständige, die freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind. Für solche dürfen die Kassen selbst festlegen, welche Einnahmen für die Berechnung der Beiträge zugrunde gelegt werden, und die meisten beziehen Einnahmen aus Minijobs mit ein.
Bei Fragen zur geringfügigen Beschäftigung als Selbständiger ist die Beratung durch einen Steuerberater günstig.

Mehrere Minijobs gleichzeitig

Wird neben einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung mehr als ein Minijob ausgeübt, so wird der zweite und jeder weitere Minijob mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet und unterliegt so der Einkommensteuer. Ausgenommen von der Zusammenrechnung mit der versicherungspflichtigen Beschäftigung wird stets der zeitlich zuerst aufgenommene Minijob.
Geht der Arbeitnehmer keiner versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung nach, sind die Einkünfte aus mehreren Minijobs bei verschiedenen Arbeitgebern immer zusammenzurechnen. Liegt das insgesamt erzielte Entgelt unter der 450 Euro-Grenze, ändert sich steuerlich nichts. Überschreitet dagegen das insgesamt erzielte Entgelt 450 Euro im Monat, fallen Einkommensteuer und Sozialabgaben auf alle Minijobs an. Wenn der Arbeitnehmer durch mehrere Minijobs steuerpflichtig wird, hat er auch die Möglichkeit, anfallende Werbungskosten im Zusammenhang mit den Tätigkeiten in der Steuererklärung anzugeben.
Mehrere Beschäftigungen bei demselben Arbeitgeber werden steuerrechtlich als eine Einheit betrachtet.

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Die Inventur

Buchführung und Bilanz: Rechtliche Grundlagen und Verfahren der Inventur

Unser heutiges Thema ist ein elementarer Baustein von Buchführung und Bilanz, nämlich die Inventur.

Rechtliche Grundlagen der Inventur

Sowohl das Handelsrecht als auch das Steuerrecht verpflichten alle Kaufleute, sämtliche Vermögensgegenstände und Schulden mittels Inventur festzustellen, und zwar

• einmalig aus Anlass der Unternehmensgründung oder Unternehmensübernahme
• regelmäßig am Ende des Geschäftsjahres zum Bilanzstichtag
• bei Auflösung oder Veräußerung des Unternehmens.

Bei der Inventur werden die körperlichen Gegenstände des Vermögens (z.B. Maschinen, Rohstoffe, Barmittel) durch Zählen, Wiegen oder gegebenenfalls durch Schätzen nach Art und Menge aufgenommen (körperliche Bestandsaufnahme). Die auf diese Weise festgestellten Güter werden bewertet.
Die nichtkörperlichen Wirtschaftsgüter (z.B. Forderungen, Konzessionen, Bankguthaben) werden aus der Buchführung aufgrund der buchhalterischen Aufzeichnungen und Belege festgestellt. Durch diese sogenannte „Buchinventur“ werden sie somit nur wertmäßig ermittelt.

Inventurverfahren

Das Gesetz schreibt kein bestimmtes Verfahren zur Inventur vor, jedoch muss das gewählte Verfahren den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung genügen.

Stichtagsinventur

Bei der Stichtagsinventur werden die Gegenstände des Vorratsvermögens am Bilanzstichtag aufgenommen. Die Aufstellung des Inventars kann innerhalb von zehn Tagen vor oder nach dem Bilanzstichtag erfolgen. Jedoch sind dabei Bestandsveränderungen zwischen Aufnahmetag und Bilanzstichtag anhand von Belegen mengen- und wertmäßig auf den Bilanzstichtag fortzuschreiben bzw. zurückzurechnen.
Auch eine zeitlich verlagerte Stichtagsinventur ist möglich. Dabei wird die körperliche Inventur ganz oder teilweise an einem Tag entweder innerhalb der ersten zwei Monate nach dem Bilanzstichtag (nachverlagerte Stichtagsinventur) oder während der letzten drei Monate vor dem Bilanzstichtag (vorverlagerte Stichtagsinventur) durchgeführt. Der am Stichtag ermittelte Wert des Bestandes wird wertmäßig, nicht aber mengenmäßig, auf den Bilanzstichtag fortgeschrieben bzw. zurückgerechnet. Die zeitlich verlagerte Stichtagsinventur ist nicht zulässig bei Beständen, die starken Preisschwankungen unterliegen, sowie bei besonders wertvollen Wirtschaftsgütern.

Permanente Inventur

Bei der permanenten Inventur wird der Bestand nach Art und Menge der Anlagen- und Lagerbuchführung entnommen und somit buchmäßig festgestellt. Bei Anwendung dieser Methode müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

1. In den Lagerbüchern müssen alle Bestände des Vorratsvermögens und deren Zu- und Abgänge einzeln nach Tag, Art und Menge eingetragen und durch Belege nachgewiesen werden.
2. Mindestens einmal im Geschäftsjahr ist durch eine körperliche Bestandsaufnahme festzustellen, ob der in den Lagerbüchern ausgewiesene Buchbestand auch tatsächlich vorhanden ist. Ergeben sich Differenzen zwischen dem Buchbestand und dem tatsächlichen Bestand, ist die Lagerbuchführung nach dem Ergebnis der körperlichen Inventur zu berichtigen.
3. Über die Ergebnisse der verschiedenen Teilinventuren sind Aufzeichnungen unter Angabe des Aufnahmezeitpunktes und der aufnehmenden Personen anzufertigen, die zehn Jahre lang aufbewahrt werden müssen.

Die permanente Inventur ist nicht anwendbar für Bestände, bei denen durch Schwund, Verdunsten, Verderb usw. unkontrollierbare Abgänge eintreten, sowie für besonders wertvolle Wirtschaftsgüter.

Stichprobeninventur

Der Bestand der Vermögensgegenstände darf auch mit Hilfe anerkannter mathematisch-statistischer Methoden aufgrund von Stichproben ermittelt werden. Der Aussagewert des durch die Stichprobe ermittelten Bestandes muss dabei demjenigen einer körperlichen Inventur gleichkommen.

Fest- bzw. Gruppenbewertung

Eine Einzelbewertung ist nicht immer möglich bzw. wirtschaftlich sinnvoll. Daher dürfen Vermögensgegenstände des Sachanlagevermögens sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, wenn sie regelmäßig ersetzt werden und ihr Gesamtwert für das Unternehmen von nachrangiger Bedeutung ist, mit einem Festwert angesetzt werden, sofern ihr Bestand in Größe, Wert oder Zusammensetzung nur geringen Schwankungen unterliegt. In der Regel ist in diesem Fall alle drei Jahre eine körperliche Bestandsaufnahme durchzuführen.
Ferner können gleichartige Vermögensgegenstände des Vorratsvermögens sowie andere gleichartige oder annähernd gleichwertige bewegliche Vermögensgegenstände und Schulden zu einer Gruppe zusammengefasst und mit dem gewogenen Durchschnittswert angesetzt werden.

Bewertung der Vermögensgegenstände

Alle in einer Inventur aufgestellten Posten müssen bewertet werden, was generell nach den Anschaffungskosten für erworbene Güter oder Herstellungskosten für selbst produzierte Güter geschieht. Dabei wird der so genannte Teilwert berücksichtigt, welcher von der allgemeinen Marktsituation zum Bilanzstichtag abhängig ist. Sind zum Stichtag die Anschaffungskosten höher als die Wiederbeschaffungskosten, so gelten die Wiederbeschaffungskosten als Teilwert und sind anzusetzen. Ein Grund hierfür kann beispielsweise der Wertverlust durch längere Einlagerung oder eine Veränderung der Nachfrage durch die Abnehmer sein. Als Kosten für die Wiederbeschaffung gelten dabei die Ausgaben, die dem Kaufmann anfallen würden, wenn er die Ware neu erwerben müsste. Ist der Wert seiner Ware gefallen, so hat der Kaufmann eine sogenannte Teilwertabschreibung im Rahmen seiner Bestandsaufnahme durchzuführen, welche er ausreichend nachweisen muss.

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Steuerliche Buchführungspflicht für Selbständige

Wer nach dem Steuerrecht Bücher führen muss

Das Steuerrecht unterscheidet zwei Begründungen der steuerlichen Buchführungspflicht, die abgeleitete (derivative) und die originäre.

Derivative Buchführungspflicht

Aus dem Handelsrecht leitet sich gemäß § 140 der Abgabenordnung auch die Pflicht der steuerlichen Buchführung für Selbständige ab, d.h. alle, die dem Handelsrecht nach buchführungspflichtig sind, haben diese Verpflichtung auch für die Besteuerung zu erfüllen.

Originäre Buchführungspflicht

Über die derivative Buchführungspflicht hinaus sind gewerbliche Unternehmer sowie Land- und Forstwirte buchführungspflichtig, wenn sie für einen einzelnen Betrieb eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

• Umsätze von mehr als 500.000 Euro im Kalenderjahr oder
• selbstbewirtschaftete land- und forstwirtschaftliche Flächen mit einem Wirtschaftswert von mehr als 25.000 Euro oder
• einen Gewinn aus Gewerbebetrieb von mehr als 50.000 Euro im Wirtschaftsjahr oder
• einen Gewinn aus Land- und Forstwirtschaft von mehr als 50.000 Euro im Kalenderjahr .

Beginn und Ende der steuerlichen Buchführungspflicht

Die Verpflichtung zur Buchführung ist von Beginn des Wirtschaftsjahres an zu erfüllen, das auf die Mitteilung des Finanzamtes folgt, dass diese Verpflichtung beginnt. Die Buchführungspflicht endet mit dem Ablauf des Wirtschaftsjahres, das auf das Wirtschaftsjahr folgt, in dem das Finanzamt feststellt, dass die oben genannten Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind.

Umfang der Rechnungslegungspflicht

Verschiedene Unternehmensformen sind unterschiedlichen Rechnungslegungspflichten unterworfen.
Einzelunternehmen und Personengesellschaften müssen folgende Dokumente erstellen:

• Bilanz
• Gewinn- und Verlustrechnung

In welchem Umfang Kapitalgesellschaften ihren Jahresabschluss erstellen müssen, ist abhängig von ihrer Größe. Grundsätzlich müssen Kapitalgesellschaften die folgenden Dokumente erstellen:

• Bilanz
• Gewinn- und Verlustrechnung
• Anhang
• Lagebericht (entfällt für kleine Kapitalgesellschaften)

Die folgende Tabelle zeigt die Kriterien für die Einordnung in die verschiedenen Größenklassen. Kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften, d.h. solche, die einen organisierten Markt durch von ihr ausgegebene Wertpapiere in Anspruch nehmen oder die Zulassung solcher Wertpapiere zum Handel an einem organisierten Markt beantragt haben, gelten stets als große Kapitalgesellschaften.

Für die Einordnung in eine der Größenklassen müssen zwei von drei Kriterien an den Abschlussstichtagen zweier aufeinander folgender Geschäftsjahre erfüllt sein. Bei Umwandlung oder Neugründung eines Unternehmens kommt es darauf an, ob die Größenmerkmale am ersten Abschlussstichtag nach der Umwandlung oder Neugründung erfüllt werden.
Die Zuordnung zu einer dieser Größenklassen entscheidet u.a. über den Umfang der Gliederung der Bilanz, den Umfang der Prüfungspflicht und den Umfang und die Frist zur Offenlegung der Unterlagen.

Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Die Erfordernisse einer ordnungsmäßigen Buchführung lassen sich nicht allein aus den gesetzlichen Vorschriften ableiten. Wichtige Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung im engeren Sinn sind:

• Die Buchführung muss klar, übersichtlich, nachprüfbar und systemgerecht sein.
• In der Regel soll die doppelte Buchführung angewandt werden.
• Alle Eintragungen in den Büchern sind vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet vorzunehmen.
• Kasseneinnahmen und –ausgaben sind täglich festzuhalten.
• Die Buchführung muss in einer lebenden Sprache erfolgen, Abkürzungen und Symbole müssen eine eindeutige Bedeutung haben.
• Keine Buchung darf ohne Beleg vorgenommen werden.
• Der ursprüngliche Buchungsinhalt darf nicht unleserlich gemacht werden.
• Zu Beginn des Handelsgewerbes und am Ende eines jeden Geschäftsjahres sind ein Inventar und eine Bilanz aufzustellen. Zum Ende eines jeden Geschäftsjahres ist außerdem eine Gewinn- und Verlustrechnung zu erstellen. Diese bildet zusammen mit der Bilanz den Jahresabschluss.
• Der Jahresabschluss ist mit Datum zu versehen und vom Kaufmann bzw. allen persönlich haftenden Gesellschaftern zu unterzeichnen.
• Die Buchführungsunterlagen sind geordnet aufzubewahren.
• Bei der Führung von Buchführungsunterlagen auf Datenträgern müssen die Daten während der Aufbewahrungsfrist jederzeit innerhalb angemessener Frist lesbar gemacht werden können.
• Handelsbücher, Inventare, Eröffnungsbilanzen, Jahresabschlüsse, Lageberichte und Buchungsbelege sind zehn Jahre, empfangene Handelsbriefe und Wiedergaben der abgesandten Handelsbriefe sechs Jahre lang aufzubewahren.

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Handelsrechtliche Buchführungspflicht für Selbständige

Wer nach dem Handelsrecht Bücher führen muss

Die Buchführungspflicht ist wegen ihrer großen Bedeutung für interne und externe Adressaten im Handelsgesetzbuch und in der Abgabenordnung geregelt.

Handelsrechtliche Buchführungspflicht

Nach § 238 des Handelsgesetzbuches ist jeder Kaufmann verpflichtet, Bücher zu führen und in diesen seine Handelsgeschäfte und seine Vermögenssituation gemäß den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ersichtlich zu machen. Wer aus handelsrechtlicher Sicht als Kaufmann gilt, ist ebenfalls festgelegt. Danach ist Kaufmann im Sinne des Handelsgesetzbuches, wer ein Handelsgewerbe betreibt. Handelsgewerbe ist jeder Gewerbebetrieb, es sei denn, dass das Unternehmen keinen kaufmännischen Geschäftsbetrieb erfordert. Kaufmann kann ferner nur sein, wer das Gewerbe im eigenen Namen betreibt; unerheblich ist, wer den tatsächlichen Einfluss auf die Leitung des Gewerbes ausübt.

Der Gewerbebegriff

Das Handelsgesetzbuch enthält keine Definition des Gewerbebegriffes. Nach heutiger Ansicht setzt sich der handelsrechtliche Gewerbebegriff aus folgenden Merkmalen zusammen:

1. Selbständige Tätigkeit: Selbständig ist laut Handelsgesetz, wer seine Tätigkeit im Wesentlichen frei gestalten sowie seine Arbeitszeit frei bestimmen kann.
2. Nach außen gerichtete Tätigkeit: Nur eine nach außen erkennbare Geschäftstätigkeit kann auch dem Handelsverkehr zugerechnet werden.
3. Planmäßigkeit und Dauerhaftigkeit der Tätigkeit: Planmäßigkeit und Dauerhaftigkeit beurteilen sich nicht ausschließlich nach dem Zeitmoment. Im Vordergrund steht vor allem die Vielzahl der beabsichtigten Geschäftsabschlüsse.
4. Tätigkeit auf wirtschaftlichem Gebiet: Dieses Merkmal soll eine Abgrenzung zu den sogenannten „freien Berufen“ leisten, die nicht den Bestimmungen des Handelsgesetzbuches unterliegen sollen. Bei diesen handelt es sich im Regelfall um höchstpersönliche Leistungen auf künstlerischem oder wissenschaftlichem Gebiet. Ein Teil der freien Berufe ist ausdrücklich aus dem Gewerbebegriff ausgeschlossen. Dazu gehören z.B. Rechtsanwälte, Ärzte, Steuerberater und Notare (sog. „Kammerberufe“).

Während die vorgenannten Merkmale unstrittig sind, sind folgende Merkmale in der Rechtsprechung umstritten:

5. Beschränkung auf rechtmäßige Tätigkeiten: Fraglich ist, ob die ausgeübte Tätigkeit erlaubt sein muss. Dies wird von der neueren Lehre abgelehnt.
6. Gewinnerzielungsabsicht: Ausgeschlossen werden dadurch in erster Linie karitative Tätigkeiten. Eine verbreitete Ansicht verzichtet auf die Gewinnerzielungsabsicht.

Der Kaufmannsbegriff

Das Handelsgesetz unterscheidet sechs Kaufmannsbegriffe:
• Istkaufmann
• Kannkaufmann Kleingewerbetreibender
• Kannkaufmann Land- und Forstwirtschaftsbetrieb
• Formkaufmann
• Fiktivkaufmann
• Scheinkaufmann

Von diesen sind der Istkaufmann, der Kannkaufmann und der Formkaufmann buchführungspflichtig.

Der Istkaufmann

Grundsätzlich ist jeder Gewerbetreibende Kaufmann im Sinne des Handelsgesetzbuches, ausgenommen sind lediglich Kleingewerbetreibende und Betreiber land- und forstwirtschaftlicher Betriebe. Ob es sich bei einem Gewerbebetrieb um den Ausnahmefall eines Kleingewerbetreibenden handelt, richtet sich danach, ob das Unternehmen nach Art und Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Ein kaufmännischer Geschäftsbetrieb weist vor allem spezifische kaufmännische Merkmale wie Buchführung und Bilanzierung, Führung einer Firma sowie Ordnung der Vertretung und Haftung auf.

Der Kannkaufmann Kleingewerbetreibende

Fällt der Gewerbetreibende nicht unter die Istkaufmannregelung, kann er durch Eintrag ins Handelsregister die Kaufmannseigenschaft erlangen. Diese Entscheidung darf er jederzeit und wiederholt ändern.

Der Kannkaufmann Land- und forstwirtschaftliche Betriebe

Land- und forstwirtschaftliche Betriebe können die Kaufmannseigenschaft erlangen, wenn sie nach Art und Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordern. Ist diese Voraussetzung erfüllt, steht dem Inhaber ein Wahlrecht zu, ob er sich in das Handelsregister eintragen lässt. Im Gegensatz zum Kleingewerbetreibenden verliert der Inhaber des land- und forstwirtschaftlichen Betriebes sein Wahlrecht mit der Eintragung.

Der Formkaufmann

Die Vorschriften für Kaufleute gelten auch für Handelsgesellschaften.
Kapitalgesellschaften (AG, KGaA, GmbH) gelten kraft ihrer Rechtsform als Kaufleute (daher „Formkaufleute“); unbeachtlich, welches Gewerbe die Gesellschaften betreiben oder ob sie überhaupt ein Gewerbe betreiben. Die Kaufmannseigenschaft bezieht sich allein auf die Gesellschaft als juristische Person, die Vorstandsmitglieder und Aktionäre einer AG oder die Geschäftsführer und Gesellschafter einer GmbH sind daher keine Kaufleute.
Personengesellschaften, die Handelsgesellschaften sind (OHG, KG), besitzen die Kaufmannseigenschaft, wenn ihr Zweck auf den Betrieb eines Handelsgewerbes gerichtet ist. Gleiches gilt für eine kleingewerbliche OHG oder KG, die diesen Status durch Eintragung in das Handelsregister erlangt.
Umstritten ist im Falle der OHG und der KG, ob der einzelne Gesellschafter Kaufmann ist. Hierbei gilt: Der persönlich haftende Gesellschafter betreibt das Unternehmen im eigenen Namen und auf eigenes Risiko, sodass ihm die Kaufmannseigenschaft zukommt. Der Kommanditist haftet für Verbindlichkeiten der KG nur mit seiner Einlage und ist von der Geschäftsführung und Vertretung ausgeschlossen und besitzt daher nicht die Kaufmannseigenschaft.

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Offenlegungsregeln des handelsrechtlichen Jahresabschlusses

Wer welche Unterlagen im Bundesanzeiger veröffentlichen muss

Das Handelsgesetzbuch regelt, wer seinen Jahresabschluss offenlegen muss. Dieser Offenlegungspflicht wird durch die Veröffentlichung des Jahresabschlusses im Bundesanzeiger nachgekommen.

Wer muss seinen Jahresabschluss beim Bundesanzeiger einreichen?

Ob und ggf. welche Unterlagen Sie beim Bundesanzeiger einreichen müssen, wird in § 325 ff. des Handelsgesetzbuches bestimmt und richtet sich nach der Gesellschaftsform, der Bilanzsumme, den Umsatzerlösen und der Mitarbeiterzahl des Unternehmens. Folgende Gesellschaftsformen müssen den Jahresabschluss bzw. die Rechnungslegungsunterlagen beim Bundesanzeiger zur Offenlegung einreichen:

• Kapitalgesellschaften
– Aktiengesellschaften
– Kommanditgesellschaften auf Aktien
– GmbHs (auch UG (haftungsbeschränkt))

• eingetragene Genossenschaften

• Personenhandelsgesellschaften ohne eine natürliche Person als persönlich haftender Gesellschafter
– GmbH & Co. KGs (auch UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG)
– OHGs mit einer Kapitalgesellschaft als persönlich haftender Gesellschafterin

• Zweigniederlassungen bestimmter ausländischer Kapitalgesellschaften, insbesondere Limiteds

In jedem Fall offenlegungspflichtig sind folgende Unternehmen, unabhängig von der Rechtsform:

• Kreditinstitute
• Finanzdienstleistungsinstitute
• Pensionsfonds
• Versicherungsunternehmen

Offenlegungspflichtig sind generell Unternehmen, die in drei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren zwei der drei folgenden Merkmale erfüllen:

• Bilanzsumme über 65 Mio. Euro
• Umsatzerlöse über 130 Mio. Euro
• durchschnittlich über 5.000 Mitarbeiter

Die Pflicht, einen Jahresabschluss zu erstellen und offenzulegen, entsteht mit der Eintragung der Gesellschaft, unabhängig vom Unternehmensgegenstand, von einer Geschäftstätigkeit und von einer Gewinnerzielungsabsicht.

In welche Größenklasse fällt Ihr Unternehmen?

Für die Erfüllung der Offenlegungspflichten werden Unternehmen in verschiedene Größenklassen eingeteilt. Für die Zuordnung in eine der Größenklassen müssen zwei von drei Kriterien an den Abschlussstichtagen zweier aufeinander folgender Geschäftsjahre erfüllt sein. Bei Umwandlung oder Neugründung eines Unternehmens kommt es darauf an, ob die Größenmerkmale am ersten Abschlussstichtag nach der Umwandlung oder Neugründung erfüllt werden.

Welche Unterlagen müssen Sie beim Bundesanzeiger einreichen?

Kleinstunternehmen müssen folgende Unterlagen einreichen:

• Verkürzte Bilanz (ohne Anhang, sofern bestimmte Angaben unter der Bilanz ausgewiesen werden)
• Angaben unter der Bilanz sind:
– Angabe der Haftungsverhältnisse
– Angaben zu gewährten Vorschüssen und Krediten unter Angabe der Zinssätze und Haftungsverhältnisse an und mit Mitgliedern des Geschäftsführungsorgans, eines Aufsichtsrates, eines Beirats u.ä.
– Bestand an eigenen Aktien der Gesellschaft an abhängigen/im Mehrheitsbesitz stehenden Unternehmen (nur im Falle einer AG oder KGaA)

Kleine Unternehmen müssen folgende Unterlagen einreichen:

• Bilanz
• Anhang (ohne Angaben zur Gewinn- und Verlustrechnung)

Mittelgroße Unternehmen müssen folgende Unterlagen einreichen:

• Bilanz (ausreichend ist die für kleine Gesellschaften vorgeschriebene Form)
• Gewinn- und Verlustrechnung
• Anhang
• Lagebericht
• zusätzlich rechtsformspezifische Dokumente (zum Beispiel Angaben zur Ergebnisverwendung, Bericht des Aufsichtsrates, Bestätigungsvermerk etc.)

Große Unternehmen müssen folgende Unterlagen einreichen:

• Bilanz
• Gewinn- und Verlustrechnung
• Anhang
• Lagebericht
• zusätzlich rechtsformspezifische Dokumente

Unabhängig von ihrer Größe sind folgende Unternehmen stets zur Offenlegung nach den Vorschriften für große Kapitalgesellschaften verpflichtet:

• Kreditinstitute
• Finanzdienstleistungsinstitute
• Pensionsfonds
• Versicherungsunternehmen
• kapitalmarktorientierte Unternehmen

Wann müssen Sie die Unterlagen einreichen?

Die Einreichung der Unterlagen beim Bundesanzeiger muss grundsätzlich unverzüglich nach Vorlage an die Gesellschafter, spätestens innerhalb von zwölf Monaten nach dem Abschlussstichtag erfolgen. Eine kürzere Einreichungsfrist von vier Monaten gilt für die kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaften.

Wo müssen Sie die Unterlagen einreichen?

Jahresabschlussunterlagen sind beim Bundesanzeiger Verlag einzureichen, der die fristgerechte und vollständige Einreichung der Unterlagen prüft. Bei Verstößen gegen die Offenlegung unterrichtet er das Bundesamt für Justiz, das bei nicht ordnungsgemäßer Offenlegung ein Ordnungsgeldverfahren einleitet und Verstöße wegen unterlassener oder unvollständiger Publikation durch Verhängung von Ordnungsgeldern in Höhe von mindestens 2.500 Euro bis maximal 25.000 Euro ahndet.
Die Unterlagen können elektronisch oder in Papierform eingereicht werden. Der Jahresabschluss wird schließlich vom Bundesanzeiger automatisch an das Unternehmensregister zur dortigen Einstellung übermittelt.

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Höhere Verpflegungspauschalen ab 2014

Nur noch zwei Verpflegungspauschalen bei Reisekostenabrechnungen

Grundsätzlich sind Mehraufwendungen für die Verpflegung nicht steuerlich absetzbar. Das Einkommensteuergesetz sieht aber eine Ausnahme für die Verpflegungskosten auf betrieblich bedingten Reisen vor, deren Höhe sich nach der Dauer der Abwesenheit richtet. Für Selbständige stellen die Reisekosten Betriebsausgaben dar, für Arbeitnehmer sind sie Werbungskosten. Zum 1. Januar 2014 tritt eine Reisekostenreform in Kraft, die die Buchhaltung für Selbständige und Arbeitnehmer vereinfacht. Ab 2014 gilt hiernach bei Reisekosten nur noch eine zwei- statt zuvor einer dreistufigen Staffelung bei den Pauschbeträgen für Verpflegungsmehraufwendungen.

Bisherige Regelung bis einschließlich 2013

Bisher sah das steuerliche Reisekostenrecht eine dreistufige Staffelung bei den Pauschbeträgen für Verpflegungsmehraufwendungen vor. Falls der Steuerpflichtige vorübergehend von seiner Wohnung und dem Mittelpunkt der dauerhaften betrieblichen Tätigkeit entfernt betrieblich tätig ist, durfte er für jeden Kalendertag folgende Pauschbeträge abziehen:

• bei 24 Stunden Abwesenheit einen Pauschbetrag von 24 Euro,
• bei mindestens 14, aber weniger als 24 Stunden Abwesenheit einen Pauschbetrag von 12 Euro,
• bei mindestens 8, aber weniger als 14 Stunden Abwesenheit einen Pauschbetrag von 6 Euro.
Denken Sie daran, dass in den Veranlagungszeiträumen bis einschließlich 2013 noch diese Beträge gültig sind!

Neue Pauschbeträge ab 01.01.2014

Ab dem 1. Januar 2014 gilt bei Dienstreisen innerhalb Deutschlands folgende zweistufige Staffelung für die Pauschbeträge:

• bei mindestens 8, aber weniger als 24 Stunden Abwesenheit 12 Euro,
• bei 24 Stunden Abwesenheit 24 Euro,
• für An- und Abreisetage bei mehrtägigen Reisen 12 € unabhängig von der Abwesenheitsdauer.

Für eine Tätigkeit, die nach 16 Uhr begonnen und vor 8 Uhr des folgenden Tages beendet wird, ohne dass eine Übernachtung stattfindet, ist die gesamte Abwesenheitsdauer dem Kalendertag zuzurechnen, auf den der Großteil der abwesenden Stunden entfiel.
Diese Beträge gelten auch, wenn der Steuerpflichtige typischerweise nur an ständig wechselnden Tätigkeitsstätten arbeitet; dabei ist die Dauer der Abwesenheit von seiner Wohnung maßgebend.

Vorteile der neuen Reisekostenregelung

Positiv wirkt sich die Neuregelung vor allem für jene Steuerpflichtige aus, die viele berufliche Kurzreisen unternehmen. Hier erhält man nach der neuen Regelung bei kurzen Abwesenheiten (von minimal 8 Stunden) oft mehr Geld als in den Jahren zuvor. Bei kurzen Abwesenheiten von 8 bis 12 Stunden innerhalb Deutschlands erhält man mit den neuen Regelungen zum Verpflegungsmehraufwand eine doppelt so hohe Pauschale wie bisher.

Pauschbeträge bei Tätigkeiten im Ausland

Bei beruflichen Tätigkeiten im Ausland gelten statt der oben genannten Pauschbeträge länderweise unterschiedliche Pauschbeträge, die wie folgt gestaffelt sind:

• bei 24 Stunden Abwesenheit 120 Prozent,
• bei mindestens 14, aber weniger als 24 Stunden Abwesenheit 80 Prozent,
• bei mindestens 8, aber weniger als 14 Stunden Abwesenheit 40 Prozent

der höchsten Auslandstagegelder nach dem Bundesreisekostengesetz des Bundesministeriums der Finanzen, aufgerundet auf volle Euro. Der Pauschbetrag bestimmt sich nach dem Ort, den der Steuerpflichtige vor 24 Uhr Ortszeit zuletzt erreicht, oder, falls dieser Ort im Inland liegt, nach dem letzten Tätigkeitsort im Ausland.
Bei einer längerfristigen vorübergehenden Tätigkeit an derselben Tätigkeitsstätte im Ausland ist der pauschale Abzug auf die ersten drei Monate beschränkt.

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Steuerliche Absetzbarkeit von Bewirtungskosten

Wie Sie Bewirtungskosten steuerlich absetzen können

Sowohl das Einkommensteuergesetz als auch das Umsatzsteuergesetz sehen Regelungen zur steuerlichen Absetzbarkeit von Bewirtungskosten aus geschäftlichem Anlass vor. Damit Selbständige in ihrer Buchführung die Aufwendungen berücksichtigen können, müssen sie jedoch auf korrekte Nachweise achten.

Abzug von Bewirtungskosten bei der Einkommensteuer

Gemäß § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes sind Ausgaben für die Bewirtung von Personen aus geschäftlichem Anlass zu 70 % als Betriebsausgaben abziehbar, sofern sie als „angemessen“ anzusehen sind und ihre Höhe und die betriebliche Veranlassung nachgewiesen sind. Da diese Begriffe recht subjektiv sind, bedürfen sie einer Konkretisierung.
Eine Bewirtung liegt vor, wenn die Darreichung von Speisen und Getränken eindeutig im Vordergrund steht. Die Bewirtungskosten umfassen die Aufwendungen für Speisen und Getränke und die damit zusammenhängenden Nebenkosten (z.B. Trinkgelder).
Geschäftlich veranlasst sind Bewirtungen, wenn an ihnen Geschäftspartner (betriebsfremde Personen) teilnehmen; die zusätzliche Teilnahme von Arbeitnehmern ist unschädlich. Ist der Anlass der Bewirtung privater Natur (z.B. Geburtstag des Unternehmers), können die Kosten steuerlich nicht berücksichtigt werden. Bei einer Bewirtung in der Privatwohnung des Unternehmers wird grundsätzlich eine private Veranlassung unterstellt, so dass die Aufwendungen nicht als Betriebsausgaben abgezogen werden können
Für „angemessene Bewirtungskosten“ existiert keine feste betragsmäßige Grenze. Jede Bewirtung ist vielmehr für sich allein auf Angemessenheit zu prüfen. Unangemessene Bewirtungsaufwendungen können nicht, auch nicht teilweise, als Betriebsausgaben abgezogen werden. Unangemessen sind Bewirtungsaufwendungen dann, wenn ein Missverhältnis zwischen Anlass und Höhe der Bewirtung besteht. Diese Verhältnismäßigkeit wird die Finanzbehörde im Einzelfall prüfen.

Betrieblich veranlasste Bewirtung von Arbeitnehmern

Aufwendungen für eine betrieblich veranlasste Bewirtung ausschließlich von Arbeitnehmern sind in vollem Umfang abziehbar. Sie gelten jedoch als Sachbezug und sind daher grundsätzlich lohnsteuerpflichtiger Arbeitslohn. Ausnahmsweise ist keine Lohnsteuerpflicht gegeben bei Speisen und Getränken im Wert von bis zu 110 Euro brutto anlässlich einer herkömmlichen Betriebsveranstaltung. Heißgetränke, Gebäck etc. anlässlich geschäftlicher Besprechungen gelten als übliche Aufmerksamkeitsgesten und sind daher ebenfalls nicht lohnsteuerpflichtig.
Aufwendungen für die reine Eigenbewirtung des Unternehmers können nicht steuerlich geltend gemacht werden, da es sich hier um Kosten der privaten Lebensführung handelt.

Formale Voraussetzungen für den Nachweis der Bewirtungskosten

Zum Nachweis der Höhe und der betrieblichen Veranlassung der Aufwendungen für Bewirtung muss der Steuerpflichtige folgende schriftliche Angaben machen:

• Ort der Bewirtung
• Datum der Bewirtung
• Teilnehmer (inkl. des Gastgebers)
• Anlass der Bewirtung (konkreter Anlass, z.B. „Planung Projekt ABC“)
• Höhe der Aufwendungen (inkl. Trinkgeld)

Hat die Bewirtung in einer Gaststätte stattgefunden, so genügen Angaben zu dem Anlass und den Teilnehmern der Bewirtung; die Rechnung über die Bewirtung ist beizufügen. Rechnungen über 150 Euro brutto müssen zusätzlich Name und Anschrift des Gastgebers sowie Rechnungs- und Steuernummer der Gaststätte enthalten.
Angaben zum Anlass und zu den Teilnehmern können entweder auf der maschinellen Rechnung selbst handschriftlich vorgenommen werden oder auf einem separaten Beleg, der fest mit der Rechnung verbunden sein muss. Gaststättenrechnungen im Sinne des Einkommensteuergesetzes müssen grundsätzlich den Namen des bewirtenden Steuerpflichtigen enthalten. Weder die entsprechende Angabe des Steuerpflichtigen auf den von ihm erstellten Eigenbelegen noch die eingereichten Kreditkartenabrechnungen machen die erforderliche Angabe des Bewirtenden auf den Rechnungen entbehrlich, so der Bundesfinanzhof in einem aktuellen Urteil. Daher sollte der Bewirtende darauf bestehen, dass das Gaststättenpersonal den handschriftlichen Beleg abzeichnet und mit dem Firmenstempel versieht.

Umsatzsteuerliche Behandlung von Bewirtungskosten

Für Zwecke der Umsatzsteuer bestimmt § 15 Abs. 1a des Umsatzsteuergesetzes, dass Vorsteuern, die mit bestimmten nichtabziehbaren Betriebsausgaben im Zusammenhang stehen, vom Abzug ausgeschlossen sind. Der Vorsteuerausschluss gilt allerdings ausdrücklich nicht für angemessene und nachgewiesene Bewirtungsaufwendungen aus geschäftlichem Anlass. Deshalb berechtigen solche Aufwendungen zum vollen Vorsteuerabzug, sofern die formellen Voraussetzungen erfüllt sind.

Ein Abzug von Vorsteuerbeträgen für unangemessene Bewirtungskosten ist jedoch nicht vorgesehen, da bei diesen keine unternehmerische Veranlassung vorliegt.

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