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Vor- oder Nachteil Kleinunternehmer

Mit oder ohne Umsatzsteuer?
Dieser Frage, die sich vielen Gründern bereits zu Beginn ihrer Selbständigkeit stellt, wollen wir in unserem ersten Fachbeitrag mal etwas genauer auf den Zahn fühlen und erläutern, wer überhaupt Kleinunternehmer sein kann und welche Vor- und Nachteile eine Behandlung als Kleinunternehmer mit sich bringt.

Was bedeutet Kleinunternehmer überhaupt?
Der steuerliche Begriff des Kleinunternehmers hat nichts mit gefühlter Unternehmensgröße zu tun, sondern basiert auf einer klaren gesetzlichen Regelung im Umsatzsteuerrecht. Hierbei wollte man kleineren Unternehmern die Möglichkeit geben, Ihre erbrachten Leistungen ohne Umsatzsteuer abrechnen zu können und somit nicht – wie andere Existenzgründer – monatlich dem Finanzamt eine Umsatzsteuervoranmeldung übermitteln zu müssen. Ein Kleinunternehmer gilt umsatzsteuerlich quasi als Privatperson und muss selbst keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen bzw. bekommt vom Finanzamt keine Umsatzsteuer zurückerstattet. Er darf in seinen Rechnungen daher auch keine Umsatzsteuer offen ausweisen!!

Wer kann Kleinunternehmer sein?
Als Kleinunternehmer gilt man, wenn der Jahresumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 € nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50.000 € voraussichtlich nicht übersteigen wird. Bei Existenzgründern kommt es nur darauf an, dass der Umsatz des laufenden Kalenderjahres voraussichtlich die Grenze von 17.500 € nicht übersteigen wird.
Liegt man unter diesen Grenzen, hat man quasi die Qual der Wahl: Kleinunternehmer ja oder nein?
Liegt man über den Grenzen erübrigt sich die Frage und man muss zwingend als sog. Regelbesteuerer mit Umsatzsteuer abrechnen und dem Finanzamt entsprechend Meldung erstatten.

Vor und Nachteile des Kleinunternehmer:
Was ist nun aber mit dem “priviligierten” Unternehmerkreis, der die Grenzen nicht überschreitet? Leider gibt es hierzu keine pauschale Aussage, ob eine Behandlung als Kleinunternehmer von Vor- oder Nachteil ist. Vielmehr hängt dies vom konkreten Einzelfall ab!

Neben dem geringeren Verwaltungsaufwand kann eine Behandlung als Kleinunternehmer insbesondere dann von Vorteil sein, wenn Sie überwiegend Privatpersonen oder andere Kleinunternehmer als Kunden haben.
Würden Sie mit diesen Personen als Regelbesteuerer abrechnen, müssten Ihre Kunden zusätzlich 7% bzw. 19% auf Ihre Leistungen zahlen. Bei einem Kundenkreis, der überwiegend aus Unternehmern besteht, fällt dieser Gesichtspunkt weniger ins Gewicht, da Unternehmer grundsätzlich die Ihnen in Rechnung gestellte Umsatzsteuer vom Finanzamt zurückersattet bekommen.

Und genau hier kann ein entscheidender Nachteil liegen: Haben Sie selbst hohe Kosten, in denen Umsatzsteuer enthalten ist, wird Ihnen diese als Kleinunternehmer nicht vom Finanzamt zurückerstattet. Haben Sie also in der Gründungsphase höhere vorsteuerbehaftete Kosten als Sie Einnahmen erzielen oder planen Sie sogar eine größere Investition, wie den Kauf eines Firmenfahrzeugs oder haben Sie überwiegend Unternehmer als Kunden, ist ein Verzicht auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung oftmals sehr sinnvoll! Aber Vorsicht: Ein Verzicht auf die Anwendung bindet Sie für 5 Kalenderjahre – auch wenn die Umsätze klein bleiben!

Fazit: Vor der Entscheidung, ob man die Kleinunternehmeregelung anwendet oder lieber auf diese verzichtet, sollte man genau abwägen. Sowohl die potenziellen Kunden, wie auch die geplanten Investitionen sind in diese Überlegung sorgfältig mit einzubeziehen. Alle die sich unsicher sind, können uns gerne kontaktieren. Gerne auch per Nachfrage hier im Blog!

Umsetzung in freeFIBU:
Mit freeFIBU können Sie Ihre laufende Online-Buchhaltung sowohl als Kleinunternehmer, wie auch Regelbesteuerer vornehmen. Das Programm hilft Ihnen gerade als Regelbesteuerer Ihren Verwaltungsaufwand möglichst gering zu halten und erstellt und übermittelt Ihnen automatisch Ihre Umsatzsteuervoranmeldung an das Finanzamt.
Als Kleinunternehmer können Sie unterjährig laufend Ihre Einnahmen und Ausgaben im Blick halten. Das Programm setzt Ihnen hierbei automatisch alle Steuerschlüssel auf 0%, sodass Sie Ihre Einnahmen und Ausgaben ganz einfach ohne weitere Hindernisse verbuchen können.

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9 Antworten auf Vor- oder Nachteil Kleinunternehmer

  1. Simone Westendorf sagt:

    Guten Tag, ich stehe vor der Frage, ob ich mich als Freiberuflerin im Bereich Beratung und Coaching der Kleinunternehmerregelung unterziehen soll oder nicht. Kann ich denn dann trotzdem meine Investitionskosten, (Möbel, PC u.s.w.) absetzen in irgendeiner Form oder bleibe ich gänzlich auf den Kosten sitzen? Ich werde wohl überwiegend Privatpersonen behandeln, eine Kollegin riet mir aber dennoch dazu auf die KLeinunternehmerregelung zu verzichten. Können Sie mir helfen?

    Mit freundlichen Grüßen, SImone Westendorf

    • Guten Tag Frau Westendorf,
      die Kosten für betriebliche Anschaffungen könnnen auch als Kleinunternehmerin “abgesetzt” werden. Dies bedeutet, dass Sie die Kosten – je nach Höhe der Investitionen – in einer Summe oder als so genannte Abschreibung verteilt über mehrere Jahre von Ihren Einnahmen abziehen dürfen und somit Ihren zu versteuernden Gewinn für Zwecke der Einkommensteuer mindern.
      Allerdings erhalten Sie als Kleinunternehmerin – wie auch als Privatperson – nicht die in den Kosten enthaltene Umsatzsteuer erstattet. Bei höheren Investiotionskosten kann sich daher ein Verzicht auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung ggfs. positiv auswirken. Aber Vorsicht!! Der Verzicht bindet Sie für fünf Jahre und zwingt Sie zur Abgabe monatlicher Voranmeldungen! Zudem müssten Sie gegenüber Ihren Kunden (=Privatpersonen) entweder die Preise um 19% höher ansetzen oder hätten eine entsprechend geringer Marge. Sind Ihre Kunden überwiegend Privatpersonen, ist die Anwendung der Kleinunternehmerregelung somit meistens ein echter Wettbewerbsvorteil, auf den man nicht ohne Weiteres einfach verzichten sollte.
      Sofern Sie Ihr Vorhaben nicht bereits umgesetzt haben, können Sie unser Büro auch gerne einmal kurz telefonisch kontaktieren. Wir können dann etwass genauer auf Ihren konkreten Einzelfall eingehen.

      Beste Grüße
      Christian Wieland

  2. Inga Weiss sagt:

    Guten Tag,
    ich gründe gerade ein Label für Kindebekleidung und stehe nun vor der Frage: Kleinunternehmer oder “richtiges” Gewerbe. Erstmal fange ich natürlich klein an (Verkauf über Messen/Märkte, Onlineshop). Meine Kunden werden daher anfangs wohl eher Privatpersonen sein, später aber auch andere Shops, über die ich meine Kollektionen vertreiben möchte. Und genau hier ist das Problem: Wenn ich einem Ladengeschäft Teile meiner Kollektion verkaufen möchte (bzw. in Kommission geben möchte) und aber keine Umsatzsteuer ausweisen darf – ist dieser Deal dann für das Ladengeschäft überhaupt interessant?
    Ansonsten hab ich ständig laufende Kosten für Materialbesorgungen usw…
    Was meinen Sie, was sich für mich besser eignet?
    Vielen Dank im Voraus,
    Inga

    • Sehr geehrte Frau Weiss,

      sofern Sie zunächst überwiegend Privatpersonen als Kunden haben, ist die Regelung normalerweise nur von Vorteil für Sie.

      Wenn Sie später auch Geschäftskunden beliefern, können Sie immer noch auf die Anwendung verzichten (immer zu Beginn eines jeden Jahres möglich). Der Verzicht auf die Anwendung bindet Sie dann jedoch für fünf Jahre.

      Durch die Anwendung der Kleinunternehmerregelung ergibt sich jedoch auch kein Nachteil für die anderen Ladengeschäfte. Diesen stellen Sie ja dann nur den Nettopreis mit dem Verweis, dass kein Umsatzsteuerausweis aufgrund der Anwendung der Kleinunternehmerregelung erfolgt, in Rechnung.

      Die Frage, ob das Outen als Kleinunternehmerin zu einem Imageproblem führt (man zeigt hierdurch ja, dass man im Umsatz unter 17.500€ liegt) ist natürlich eine andere Frage, die je nach Geschäftspartnern von Ihnen selbst abgewogen werden muss.

      Beste Grüße
      Christian Wieland

  3. Gudrun sagt:

    Hallo,
    ich beginne gerade meine Selbstständigkeit und möchte als Coach arbeiten; zunächst richten sich meine Angebote an Privatpersonen, so dass ich damit liebäugele, die Kleinunternehmensregelung anzuwenden, Ausgaben habe ich zunächst auch nicht.
    Was ich noch nicht verstehe: was passiert, wenn ich den Umsatz von 17.500€ überschreite? Einfach nur, dass ich dann Umsatzsteuer zahlen muss? Von dem Moment an, wo ich den Umsatz überschreite, oder irgendwie überraschend rückwirkend? Muss ich das dann selbstständig beim Finanzamt anzeigen, oder fällt das erst bei der Einkommensteuererklärung auf?
    Vielen Dank und freundliche Grüße
    Gudrun

    • Hallo,
      wenn Sie die Grenze in einem Jahr überschreiten, müssen Sie ab dem nächsten Jahr Umsatzsteuer in Rechnung stellen. Die Kleinunternehmerregelung ist eine Jahresregel. Das heisst Sie sind entweder das ganze Jahr Kleinunternehmer oder das ganze umsatzsteuerpflichtig! Für das laufende Jahr ist nur die Prognose zu Beginn maßgeblich. Prognostizieren Siue im Erstjahr einen Umsatz von weniger als 17.500 € können Sie Kleinunternehmer sein. Ist der tatsächliche Umsatz kleiner als 17.500 € sind Sie auch im Folgejahr Kleinunternehmer. Überschreiten Sie die Grenze in einem Jahr, müssen Sie ab dem Folgejahr dann Umsatzsteuer abrechnen.
      Das Finanzamt erfährt zwar erst mit Abgabe der Einkommensteuererklärung, dass die Grenze überschritten wurde, wird dann aber die Umsatzsteuer ab Beginn des Jahres verlangen. Es sind dann nach Aufforderung des Finanzamtes entsprechende Umsatzsteuer-Voranmeldungen abzugeben.

  4. Gudrun sagt:

    Vielen Dank!!

  5. Sven Said sagt:

    Hallo und Danke für diesen Infomativen Blog.
    Ich schlage mich auch gerade mit der Frage rum “MwSt. befreit oder doch lieber mit”.
    Ich möchte ein Onlineshop für Elektro-Mobilität eröffnen, (E-Bike,E-Scooter,usw.neu & gebraucht).
    Eigentlich war die Kleinunternehmens regelung für mich schon klar…da ich erstmal geringe Anschaffungkosten habe (Drucker,Rechner,Shopsite,Internet u. Telefon) und auch vermehrt Endkunden haben werde.
    Da viel mir aber ein, das ich ein “Dropshipping” Unternehmen aufbauen möchte um Lager- und Anschaffungskosten zu minimieren.
    Dabei kauft der Endkunde bei mir z.B. ein Pedelec-Bike, das ich wiederrum beim Hersteller einkaufen bzw. Brutto bezahlen muß.
    Der Endkunde müsste dann Brutto=Netto plus meine Händlermarge bezahlen…also hätte kein 19%igen Vorteil.
    Der einzigen Vorteil den ich darin sehe, wäre weniger Arbeit mit dem Finanzamt (solange ich unter 17.500€ bleibe).
    Also bin ich gerade wieder total unschlüssig ob ich es nicht gleich mit MwSt. machen sollte…um mich gleich an die geflogenheiten mit dem Finanzamt gewöhne…obwoh ich gerne darauf verzichten möchte,um mich Anfangs mehr auf die wesentliche Dinge zu konzentrieren.
    Hätten Sie einen Rat, für meinen Fall?

    • Hallo Herr Said,
      die Frage ist, wie hoch Ihre Marge ist. Es ist zwar zutreffend, dass Sie mangels Vorsteuerabzug als Kleinunternehmer die Umsatzsteuer aus Ihrem Einkauf an den Kunden “weitergeben” müssen, dies gilt allerdings nicht für Ihre Marge. Hier würde sich als Kleinunternehmer ein Preisvorteil ergeben.

      Hier mal ein kleines Beispiel mit konkreten Zahlen:
      Wareneinkauf 100€ + 19€ Umsatzsteuer; Verkaufspreis (brutto = Zahlbetrag für Kunden) 238 €
      a) Ihre Marge als Kleineunternehmer wäre 119 € (238 € – 119€)
      b) Ihre Marge als Regelbesteuerer ware lediglich 100 € (200€ – 100€)

      Sie würden also die Umsatzsteuer auf Ihre Marge mehr verdienen oder könnten die Artikel bei gleicher Marge für nur 219€ anbieten.

      Je geringer Ihre Marge ist, umso geringer fällt natürlich der entsprechende Vorteil aus.

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